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Vernarbt, aber am Leben

Walter Trout hat dem Sensenmann noch einmal ein Schnippchen geschlagen.

"Back on track": Walter Trout. Foto: G.Watermann

„I can feel my body closing down / like a toy that has been broken“. Walter Trouts Kampf zurück ins Leben war ein langer, beschwerlicher, manchmal schier aussichtslos scheinender. Die letztlich rettende Lebertransplantation kam beinahe zu spät, zunächst musste über Crowd-Funding das nötige „Kleingeld“ für die Behandlung aufgebracht werden. Weltweit spendete die Bluesgemeinde, in der Hoffnung, Trout irgendwann doch wieder auf die Bühne zurückkehren zu sehen. Die Genesung des Künstlers nach dem Eingriff verlief ebenfalls schleppend, doch Trout hatte schon auf dem Album „The Blues Came Callin’“, welches er – bereits schwer gezeichnet von der Krankheit – vor seiner Operation einspielte, in einem der wohl besten autobiographischen Songs, die er je zu Papier brachte, „The Bottom Of The River“, versprochen: „this ain’t your time to die“.

Und er hielt sein Versprechen. Am 15. Juni dieses Jahres startete er die „I’m Back“-Tour triumphal in Londons Royal Albert Hall. Vervollständigt wird das Comeback nun am 23. Oktober durch die Veröffentlichung seines mittlerweile 18. Albums unter eigenem Namen, „Battle Scars“. Eine Platte, die ihre Kraft aus Reflektion und Aufarbeitung zieht. In schonungslosem, autobiographischem Zugang erzählt der 1951 in Ocean City, New Jersey, geborene Trout von jenen endlosen Nächten im Frühjahr 2014, in denen er durch die Türen seines Spitalszimmers die Verzweiflung von Menschen hörte, deren Angehörige soeben von ihnen gegangen waren, sich selbst die bohrende Frage stellend, wann er der Nächste sein würde. Der Mann, der bereits in den Siebziger Jahren an der Seite von John Lee Hooker, Big Mama Thornton oder Percy Mayfield zu bewundern war, um sich dann Canned Heat und schließlich John Mayall anzuschließen, tut dies musikalisch in der von ihm gewohnten Mischung aus Blues, Rock und Balladen. Doch trotz des Schmerzes und der Dunkelheit, von welcher er berichtet, („3 a.m. I stare at the TV / somebody just walked in / they said they want to take more blood from me“) tritt bereits im Opener, „Almost Gone“, ein ungeheurer Lebenswille zu Tage. Trotzig, von Gitarre und Harp herausgebrüllt, packend und berührend zugleich. Hatte er im erwähnten „Bottom Of The River“ noch am Grunde des Flusses zugesagt, wieder aufzutauchen, so bricht er nun wie eine Urgewalt tatsächlich durch die Fluten, jedem die Botschaft vermittelnd „Ich habe es euch ja gesagt!“. Kraft zog Trout vor allem aus der Stärke seiner Frau und Managerin Marie, nachzuhören auf der im besten Sinne herzzerreißenden Ballade „Please Take Me Home“, inklusive einem der exquisitesten Gitarrensoli, die Trout in Jahrzehnten auf Tonträger aus dem Ärmel geschüttelt hat. „Blues ist dann am besten, wenn er vom wirklichen Leben erzählt“, hielt Walter Trout einmal in einem CONCERTO-Interview fest. Auch in diesem Licht betrachtet ist „Battle Scars“ eine Scheibe für die Ewigkeit! Intensiver kann Blues nicht sein! Dietmar Hoscher

CD-TIPP:

  • Walter Trout „Battle Scars“, Provogue/Mascot

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