Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 5/2016 > Bluest Talk Folge 109

blues talk FOLGE 109 - Bluesvariationen Vol. IV

Drei Saitenvirtuosen an Gitarre und Bass

„Das Musikgeschäft ist ziemlich verrückt geworden“ – GREG RZAB / Foto: Hoscher

Sage mir, mit wem du gespielt hast, und ich sage dir, wer du bist! Wer Größen wie Otis Rush, Buddy Guy, Luther Allison, Willie Dixon, John Lee Hooker, Hubert Sumlin, Junior Wells, John Mayall, Eric Clapton, Jimmy Page, Jeff Beck, Gov't Mule, Carlos Santana, The Allman Brothers Band, Stevie Ray Vaughan, Albert Collins oder The Black Crowes in seiner Vita aufzuweisen vermag, darf schon mit etwas stolzgeschwellter Brust einherschreiten. Trotzdem ist Greg Rzab wohl nur Insidern, vor allem der Bass-Riege, ein Begriff. Geboren 1959 in Chicago, mit polnischen Vorfahren, griff Rzab mit fünfzehn Jahren erstmals zum erwähnten Bass und legt ihn fürderhin nicht mehr aus der Hand. Als Teenager konnte er Muddy Waters live in der Windy City erleben, ein prägendes Erlebnis. Mit einundzwanzig engagierte ihn Otis Rush, in dessen Band der Bassist dann lange Zeit spielte, bevor er nicht weniger als über zwölf Jahre für Buddy Guy tätig war. Gegen Ende des vergangenen Jahrtausends stieß Rzab schließlich zu John Mayall, von welchem er nach kurzer Zeit allerdings zu Jimmy Page wechselte, nachdem er auch bei den Rolling Stones im Gespräch war. Es folgten The Black Crowes und Warren Haynes' Gov't Mule, bevor er schließlich endgültig bei John Mayall und seinen Bluesbreakers einstieg. Dazwischen war er hautnah in jene Katastrophe involviert, die Stevie Ray Vaughan das Leben kostete.

 

 

„Blues ist die Wurzel“ – MURALI CORYELL / Foto: Hoscher

Nicht immer hat man es leicht, in derselben Branche tätig zu sein wie (Über)Väter und Mütter. Naturgemäß wird bei vielen auch im Fall von Murali Coryell zunächst der Vater, Larry, Pionier des Jazz(rock) assoziiert. Dabei ist der 1969 geborene Sohn in einem anderen Genre unterwegs, nämlich dem Blues. Zunächst interessierte sich der Spross für das Schlagzeug, um dann doch bei der Gitarre zu landen. Jazzgrößen wie Miles Davis oder George Benson gingen bei den Coryells, die einige Zeit im Haus von Carlos Santana logierten, ein und aus, doch auch Rock war allgegenwärtig, etwa Jimi Hendrix. Dergestalt sog der damals noch „Illya“ Genannte zahlreiche Stile in sich auf, um diese später in seine eigene Musik einfließen zu lassen. Seine erste Tour unternahm der Musiker 1994 mit Folkikone Richie Havens, danach folgten Duke Robillard, Bill Evans, Joe Louis Walker, aber auch sein Vater Larry. An eigenen Tonträgern stehen mittlerweile acht Stück zu Buche. Darüber hinaus machte er seinen BA in Musiktheorie und Komposition. 2013 wurde Murali Coryell in die New York State Blues Hall Of Fame aufgenommen, 2014 für einen Blues Music Award nominiert.

„Blues ist Ehrlichkeit und Emotion“ – BEN POOLE /Foto: Hoscher

Wenn vom britischen Blues der Gegenwart die Rede ist, rücken erfreulicherweise wieder etliche junge Künstlerinnen und Künstler in den Fokus der Aufmerksamkeit. Ben Poole ist einer jener Namen, welche in diesem Kontext immer wieder auftauchen. Niemand Geringerer als Jeff Beck wird in Bezug auf den Landsmann mit den Worten zitiert: „F***ing amazing! I really loved his playing!“ Geboren in Bedfordshire, in der Nähe von London, holte sich Poole seine musikalischen Skills im Musik-College von Brighton. Dort kam er mit einer Reihe von Stilen in Berührung, welche er gekonnt in seinen Stil inkorporiert. Musik liegt bei den Pooles in der Familie, auch Bens Vater verdingte sich in jungen Jahren als Profimusiker. Mit der Gitarre startete Ben Poole im Alter von neun, drei Jahre später hörte er Jimi Hendrix und kippte endgültig in die Musik. Die Tatsache, dass er auch klassisch ausgebildet ist, verstärkt heute seine virtuose Saitentechnik, die sich keineswegs in ausgetretenen Bluesrockpfaden erschöpft. Pooles Repertoire dringt in viele Bereiche vor, auch Pop und Soul sind ihm nicht fremd. Diese Mischung brachte Poole bereits zweimal in die ehrwürdige Royal Albert Hall, wovon auch ein von der BBC mitgeschnittener Tonträger existiert. 

Bericht, Fotos: Dietmar Hoscher

 

Die gesamten Interviews aller Blues-Künstler finden Sie in der Ausgabe 5-16, erschienen am 3. Oktober 2016. Zu beziehen über Abo-Bestellung oder digital, www.kiosk.at/concerto 

CD/VINYL-TIPPS: 

  • Greg Rzab "Electric Bass - Live On Stage", Eigenverlag 
  • Murali Coryell "Restless Mind", Shake-It-Sugar Records 
  • Ben Poole "Time Has Come", Hatman Records  

WEB-TIPPS:

 

 

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