NACHSCHLAG: Hunger auf Kunst

Krise da, Krise dort, Notverordnung der Bundesregierung, Arbeitslosigkeit, Klimawandel, Bildungsstillstand, Terror - und jetzt noch Hunger auf Kunst? Kunst ist ja wohl das Letzte, was wir jetzt brauchen, bitte. Mehr Geld für neue Panzer! Na schauen wir mal.

Seit Monaten erklären uns die Gratishefterln des Landes, dass wir wohl die unsichersten Zeiten von überhaupt haben. Es wird angeblich täglich schlimmer mit eigentlich allem, deshalb darf man das flaue Gefühl im Magen ruhig als waschechte, ernstzunehmende, berechtigte Angst bezeichnen, auf die gefälligst die Politiker reagieren sollen und „etwas für uns machen.“ Der Einzelne darf mit dem Finger auf die ausgedachten Schuldigen zeigen. Also wahlweise Mindestsicherungsbezieher, Asylwerberinnen, Arbeitslose, Staatskünstler, Subventionsbezieher, die EU und was weiß ich. Kunst und Kultur gehen erst, meinen viele Menschen, wenn genug Ressourcen übrig sind. Jeder wohnt, arbeitet, isst und hat ein Auto, mit dem er seine Kinder zur Schule bringen kann.


Kunst ist für viele ohnehin quasi Luxus und meist so sperrig und elitär, dass sie ohnehin nur von privilegierten Minderheiten konsumiert wird.

Ich stelle hier mal für uns fest, was ja schon Philosophen in der Antike formuliert haben, Kunst und Kultur bilden die Grundlage gesellschaftlichen Lebens. Kultur fördert Kreativität und Phantasie, sie bereichert, provoziert und versöhnt, in jedem Fall verlangt sie nach kritischer Auseinandersetzung.

Die Teilhabe an Kultur schafft Genugtuung, trägt zu sozialem Wohlbefinden bei und fördert die Kommunikation der Menschen untereinander. Ohne Kunst und kulturelles Schaffen wäre unser Leben armselig.

Darüber hinaus sind gerade in Zeiten, die eine starke politische und gesellschaftliche Veränderung mit sich bringen, Kunst und Kultur, also Museen, Theater, Konzerthäuser, Jazzkeller, Galerien, Architektur ein Anker für Menschen, der Zusammenhalt und Solidarität wie Verständnis schafft.

Hunger auf Kunst und Kultur heißt auch die seit 2003 bestehende Einrichtung die, initiiert vom Schauspielhaus Wien und der Armutskonferenz, sozial benachteiligten Menschen die Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglichen soll.

Hab ich schon gehört oder kenn ich, denken Sie sich nun, geneigter Musiker, Veranstalter, verehrte Musikkonsumentin. Schon mal gehört haben, ist gut, aber so wird mehrfach rückgemeldet, selber daran mitzuwirken, das machen dann doch nicht viele. Warum ist das so?

Ich halte fest:

Zu Gute kommen soll diese Aktion allen, die gerne am kulturellen Leben teilnehmen möchten, es sich aber nicht leisten können: Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, die Sozialhilfe oder Mindestpension beziehen, Menschen mit Notstandshilfe und Flüchtlinge.

Jede Kultureinrichtung, die Partner der Aktion ist, ermöglicht KulturpassbesitzerInnen einen unentgeltlichen Eintritt. Sie ist für die Finanzierung dieser Karten u.a. durch Spenden von Privatpersonen, Institutionen oder Sponsoren selbst verantwortlich. In jenen Kultureinrichtungen, die über begrenzte Sitzplätze verfügen, sind in der Regel Kontingente für KulturpassbesitzerInnen vorgesehen. Der/die KulturpassbesitzerIn kann bzw. muss reservieren. 600 Kulturinitiativen in 6 Bundesländern unterstützen diese Aktion.

Soweit so gut. Anmelden für einen Pass der dann 6-12 Monate gültig ist. Sich über die teilnehmenden Häuser informieren, telefonisch oder per Mail reservieren (wohl schon die erste Hürde für die Zielgruppe) und dann mit Lichtbildausweis Einlass finden.

Die großen Kultur Tanker des Landes sind aber leider nicht unter den Teilnehmern. Die Bundestheater in Wien, also Burg, Staatsoper, Volksoper, Akademietheater, machen noch immer nicht mit, obwohl sie ja auch in Betracht der Steuergelder, die sie alle Jahre wieder bekommen, eigentlich dazu aufgerufen sind, Menschen die es sich nicht leisten können, sich Tickets zu kaufen, ab und an einen ohnehin subventionierten Sitz anzubieten. Auch die Stadthalle in Wien vergibt keine Kulturpass Sitze. Minister Drozda, die Bundestheaterholding, die Wien Holding oder Kulturstadtrat Mailath-Pokorny tun, soweit mir bis dato bekannt ist, nichts, um mit Hunger auf Kultur Eintritte in diese Häuser zu ermöglichen.

Bei Museen, gerade in Wien, scheint die Verfügbarkeit von freien Besuchen wesentlich besser zu funktionieren, wie man auf der Homepage von Kunst und Kultur sehen kann. Albertina, MAK, Kaisergruft, Secession, Schönbrunn, alle dabei!

In den Bundesländern ist die Verfügbarkeit unterschiedlich gut. Was aber auffällt, ist, dass auch angestammte, namhafte Musiklokale im Angebot der Kulturpassnutzung eher mit der Lupe zu suchen sind. Das mag daher kommen, dass der Eintritt wirklich frei ist und nicht subventionierte Einrichtungen damit Probleme haben, da sie oftmals ohnehin schon ehrenamtlich arbeiten und ihre Einnahmen aus Kartenverkäufen in die Infrastruktur und Erhaltung ihrer Häuser stecken müssen. Auch mit den auftretenden Musikern muss eigentlich im Vorhinein vertraglich geklärt werden, dass es quasi Freikarten für Kulturpass-Besitzerinnen geben muss. In all dem sehe ich aber keine Probleme!

Beim Reden und bei der Kunst kommen die Leute zusammen, und es sollte ein neuer Anlauf gemacht werden die Flaggschiffe der österreichischen Kunst und Kultur dazu zu bringen, den Kulturpass endlich zu akzeptieren, und den kleineren Häusern sollten mehr Beratung und Ansprechpersonen zur Verfügung stehen, um auch sie offen für Kulturpassbesucherinnen zu machen. Die logistische Anmeldung übers Netz, das die Leute oft nicht haben, sollte auch entfallen. Das kriegen wir hin!

Eureo Birgit Denk

www.hungeraufkunstundkultur.at

www.bdenk.at

 


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