Vein: Interplay auf Augenhöhe

 

Das renommierte Schweizer Trio Vein kehrt auf seiner neuen CD auf die Startlinie der Karriere zurück und lässt seine klassische Ausbildung in Jazz einfließen.

VEIN aus der Schweiz / FotoCredit: Daniel Infanger

Der Tourplan der Basler Band signalisiert ganz deutlich, dass Vein von Erfolg gekrönt ist oder sein wird. Im Oktober stellt das Trio sein Album vorerst in 3 Metropolen der VR China vor (Hong Kong, Shenzhen, Shangai); in der 2. Monatshälfte stößt Dave Liebman (sax) dazu, und man bereist Polen (u.a. Katowice und Warschau). Man schließt daraus: An dem Schweizer Triumvirat herrscht weltweit Interesse, das klarerweise nicht grundlos aufblühte. Die seit der Bandgründung (2007) veröffentlichten CDs haben alle einen eigenen Charakter und bestechen durch eine persönliche Perspektive, die stets innovativ wirkt. Dazu kommt, dass Vein aus exzellenten Musikern besteht und durch technische Versiertheit unantastbar ist. Seit dem Teenager-Alter musizieren Michael Arbenz (p), Thomas Lähns (b) und Florian Arbenz (dr) miteinander und absolvierten auch gemeinsam ihre klassische Ausbildung am Konservatorium. Nebenbei, Michael und Florian Arbenz sind Brüder, betonen aber, dass jedes weitere Bandmitglied die gleiche Wertigkeit besitze. Durch "Work in Progress" fand sich Vein mit der Zeit zusammen und begann bald, am eigenen Profil zu feilen, um nicht dem Epigonismus zu verfallen. Dieser Masterplan und diese Philospohie sind natürlich offen zu verstehen. Auf Alben wie "Standards-No Standards" oder "Vein Plays Porgy and Bess" wird sehr wohl kompositorisches Material berühmter Kollegen interpretiert. Auf dem neuesten Werk, "The Chamber Music Effect", verwendet Vein allerdings strikt nur Eigenkompositionen, um sich geschärfter und kompakter als Trio darzustellen.

Berühmte Gastmusiker

In der Vergangenheit erregte Vein immer wieder Aufsehen in der Jazz-Kommune, da man mit veritablen Größen des nordamerikanischen Jazz kooperierte, Gigs en masse absolvierte und gemeinsame CDs auf den Markt brachte: Glenn Ferris (pos), Greg Osby (as) und Dave Liebman, also honorable Persönlichkeiten, die die Pfade des Jazz markant mitgestalteten und es noch immer tun. Vein ist sehr interessiert daran, sich mit Künstlern der vor ihnen liegenden Generation auszutauschen. Die Früchte dieser Fusionen sind auf 4 hervorragenden Alben zu hören. Nimmt man die 3 Stars genauer unter die Lupe, begreift man, wie unterschiedlich sie in ihren musikalischen Ausdrucksweisen sind und welch spannende Inspirationen Vein deshalb empfangen darf. Greg Osby, Altsaxophon, ist mit 56 der Benjamin der 3 Herren, gilt als einer der Väter der M-Base und liebt bekanntlich auch Rap und Funk. "The Studio Concert" heißt seine CD mit Vein. Auf "Vein Meets Glenn Ferris" hören wir einen Posaunisten, der oft als der Beste der USA tituliert wird. Intensiv scheint es für Vein auch mit dem Saxophonisten Dave Liebman zu klappen, der 70 ist und als genialer Coltrane-Schüler gilt. "Lemuria" und "Jazz Talks" geben überzeugend wieder, wie harmonisch Liebman mit dem Trio kooperiert. Dieses Einvernehmen beruht sicher auch darauf, dass Dave wie Vein an grenzüberschreitender und Neuer Musik interessiert sind.

Kammermusik goes Jazz

Auf dem aktuellen Tonträger setzt sich Vein mit Strukturen auseinander, die die klassische Musik, genauer die Kammermusik, charakterisieren. In besagter Kammermusik, die ohne einen Dirigenten gespielt wird, obliegt die Interpretation einer Komposition dem flexibel agierenden Musiker und legt Wert auf eine optimal funktionierende Kommunikation. Es soll also eine maximale Gleichwertigkeit der Stimmen angestrebt werden. Und das ist wirklich aufregend: Z.B. auf "Boarding The Beat" von Florian Arbenz spielt man mit den rhythmischen Variationen einer Basslinie und gleitet nach einem rasanten Beginn in schaumgebremsten Groove. Auf "Pastorale" streicht Thomas Lähns den Bass und bedient sich eines choralen Satzes. In "Ballet Of The Monkeys", phasenweise wiederum groovig und funkig, dachte der Komponist, Michael Arbenz, an Taktwechsel, wie sie Igor Strawinsky liebte. Klingt etwas kompliziert, ist es aber überhaupt nicht. Vein vermengt die Sprachen des Jazz und der Klassik; das Ergebnis verblüfft einen gewiss positiv. Ernst Weiss   

CD-TIPP:

VEIN "The Chamber Music Effect", Unit Records, Vertrieb: Harmonia Mundi 

WEB-TIPP:

www.vein.ch

LIVE-TIPPS:

28.10.16: Konstanz (D), Jazzfestival
07.11.16: Baden (CH), Jazzclub;
12.11.16: mit Greg Osby, Neuburg (D), Birdland
15.11.16: mit Greg Osby, Thüringen-Jena (DE), Jazzmeile
01.12.16: Zürich (CH), Moods

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