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Jakob Zimmermann: Musik als Endprodukt subjektiver Einflüsse

Als der Bludenzer Pianist Jakob Zimmermann 2014 ein "Outreach Young Master Stipendium" zugesprochen bekam, konnte man ihn sehr wohl ein Wunderkind nennen. Jakob war 14 Jahre alt. Ein Jahr später, also mit 15, erhielt der Teenager im Rahmen der "TonArtTirol Jazzpreise" den Jazzjugendpreis. Höchste Zeit für das CONCERTO, das Übertalent vorzustellen.

Jakob Zimmermann / FotoCredit: Mladen Delic

Auf seiner Debüt-CD, "Resistance", überrascht einen der versierte Pianist mit 7 melodischen und heftig rhythmischen Nummern, die originell komplexe Ideen wiedergeben und reich an perlenden, zyklischen Patterns sind.

Hast du in deiner Schulzeit eine musikalische Ausbildung genossen?

Im Musikgymnasium ermöglichte man es, das Konservatorium in Innsbruck zu besuchen, um die dortigen Optionen kennen zu lernen. Ich ging jedoch nie dort hin. Das Institutionelle bedeutet, dass man Verantwortung abgibt. Man muss nicht in irgendeine Schule gehen, um etwas zu lernen. Wenn ich es will, schaffe ich auch alles ohne eine Institution.

Bist du Autodidakt?

Ja, bin ich, da ich nie längerfristig einen Lehrer in Anspruch genommen habe.

Hast du vor der Kooperation mit dem Trio auch schon in Bands gespielt?

Ja, natürlich hat es diverse Aktivitäten gegeben. Z.B. mit der Bludenz Big Band oder mit der Gruppe Miwo. Wir waren erst 13 oder 14 Jahre alt. Damals probierten wir meine ersten Fusion-Kompositionen. Besondere Erfahrungen machte ich auch bei einem Outreach-Workshop u.a. mit dem Pianisten Adam Holzman, der bei Miles Davis am Keyboard gesessen hatte.

Seit wann existiert dein aktuelles Trio?

2015, als ich den Jazzjugendpreis in Tirol erhalten hatte, durfte ich ein Konzert im Treibhaus Innsbruck vorbereiten. Ich machte mich auf die Suche nach 2 Musikern, da man im Trio sicher schneller zu einem Ergebnis kommt. Den Bassisten Clemens Rofner, der in Tirol sehr bekannt ist, fragte ich selber, ob er mitmacht. Clemens brachte dann den Drummer Simon Springer in die Formation; auch ein Tiroler.

Hat der Albumtitel eine tiefere Bedeutung?

Ja, natürlich, aber keinen pseudointellektuellen Sinn. "Resistance" hat mit der Ruhelosigkeit meiner Musik zu tun, die extrem unberechenbar ist und oft den Takt wechselt.

Welche Musikgenres interessieren dich?

Alle. Ich höre phasenweise Progrock, Metal, Popschnulzen, Jazz oder Klassik; im Besonderen Johann Sebastian Bach, der für mich ein "Gott" ist. Ich toleriere jede Musik. Wenn jemand die Zillertaler Schürzenjäger cool findet, ist das auch legitim. Mit Jazz habe ich nicht viel am Hut, und die Jazzpuristen oder Jazzpolizei nerven mich. Ich sehe mich eher als Klassiker. Ich möchte Musik konzertant spielen und das Publikum mit Qualität unterhalten.

Ist deine Musik aufgeschrieben oder improvisiert?

Alles ist niedergeschrieben bis auf die Soloparts, bei denen natürlich in einem Rahmen improvisiert wird, der aber auch der Struktur des Songs zu folgen hat. Mit der großen Freiheit ist da noch nichts, die Freiheit kommt nach "Resistance".

Welche Musik hörst du am liebsten?

Das kann ich nicht genau sagen, es kommt auf meine Stimmung an. U.a. Brad Mehldau, Jordan Rakei (Singer-Songwriter aus Neuseeland) oder Bach.

Was schätzt du an deinen kongenialen Mitmusikern?

Dass sie natürlich bezüglich Technik und Professionalität absolut top sind. Clemens Rofner als Funkbassist musste aber schon manchmal bei meiner Musik über seinen Schatten springen, da sie sehr fordernd und an kein Schema angepasst ist. Er hat diese Aufgabe optimal geschafft und meine Intuitionen verstanden. Beide Kollegen (Clemens Rofner und Simon Springer,dr) sind extrem vielseitig, talentiert und technisch beschlagen. Simon ist in Wien recht etabliert, spielt z.B. manchmal mit Wolfgang Ambros, anderen Austropoppern oder ist für die Volksoper oder Seefestspiele Mörbisch gebucht.

Gibt es neben Brad Mehldau weitere Musiker, die dich beeindrucken?

Eigentlich beeinflusst mich alles im Unterbewusstsein, was ich höre. Besonders aber u.a. Tigran Hamasyan (Armenien) oder Keith Jarrett.

Wie kam Andreas Felber von Ö1, der ja lange beim CONCERTO mitarbeitete, auf dich?

2018 spielte ich beim Outreach-Festival in Schwaz. Nach dem Konzert fragte mich Felber, ob ich einmal im RadioCafe in Wien spielen möchte. Ein paar Monate später hat das Trio dort konzertiert. Hernach fragte mich Andreas Felber, ob wir mit seiner Hilfe eine CD machen wollen. Das war mein Glückstag.

 

Mittlerweile wohnt Jakob Zimmermann in Wien, übt und komponiert mit ambitioniertem Fleiß (bis zu 4 Stunden täglich) und denkt über seine kommenden Projekte nach (Solo-Album, Kollaboration mit SängerIn). Ganz sicher, man wird noch viel hören von Jakob Zimmermann. Ernst Weiss

CD/VINYL-TIPP:

Jakob Zimmermann "Resistance", Edition Ö1,
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