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„Meine Musik passt zu 100% zu mir“ – SUSANNE PLAHL

Gesungen habe sie bereits als Kind, und zwar so laut, dass die Nachbarn es noch zwei Stockwerke tiefer gehört hätten, erzählt Susanne Plahl. Beatles, The Who, Stones, Led Zeppelin oder Janis Joplin, sie alle waren im „Repertoire“. Die Liebe zum Gesang blieb, die Liebe zum Blues entwickelte sich unter anderem im legendären Wiener Papas Tapas mit seinen nicht minder legendären Blues-Sessions. Irgendwann gesellte sich die Bluesharp hinzu, und bald hatte sich Plahl (nicht nur) im Bluescircuit in und um Wien ihren eigenen Namen erspielt. Wurzelnd im Blues liegen der Musikerin indessen viele Stile im Blut, was sie sowohl auf der Bühne als auch vor allem auf ihren Tonträgern unter Beweis stellt. Zum klassischen Zwölftakter tritt Countrylastiges ebenso wie Funkiges und Rockiges. Ganz zu schweigen von den Balladen. Die Songs scheinen ihr insgesamt auf den Leib geschneidert, was wohl auch daher rührt, dass sie aus ihrer eigenen Feder stammen. Mit exzellenter Band „im Rücken“ kann so äußerst inspiriert zu Gange geschritten werden. Bereits das erste Album bescherte ihr den Concerto Poll Award als „Best Female Blues & Roots Singer“. Dies spiegelt auch der neue Tonträger „Flow“ eindrucksvoll wider. 

Susanne Plahl - live on stage im Wiener Reigen / FotoCredit: Dietmar Hoscher

Wie bist du zur Musik und zum Blues gekommen?

Musik war für mich immer da, ich habe immer gesungen, ich dachte auch, das könne jeder. Erst mit 19 bin ich draufgekommen, dass dem nicht so ist und Singen eine Begabung und Fähigkeit darstellt. Dann landete ich als Sängerin bei einer Garagenband, hielt mich aber nur für Beiwerk, das Wichtigste war die Gitarre. So wollte ich auch ein Instrument lernen. Saxofon war mir zu schwierig, bei der Klarinette meines Bruders brachte ich ebenfalls keinen Ton heraus, aber die Mundharmonika gefiel mir, die hatte ich bei meinem Vater gesehen. Ich gab also ein Inserat auf: "Suche Mundharmonika-Lehrer". Erich Mettenbauer hat sich daraufhin gemeldet und ist mit mir ins Papas Tapas gegangen. Davor haben mich schon meine Eltern in die Szene Wien zu Bo Diddley mitgenommen. Ich kannte ihn davor nicht, aber der Musikgeschmack meiner Eltern sagte mir zu und ich war begeistert. Im Papas Tapas bin ich bei der Band Hooked On Blues von Siggi Fassl hängengeblieben. Chris Peterka holte mich auch auf die Bühne. Das war mein Einstieg in den Blues. Damals war ich 23 und dieser Musik verfallen. Chris war der Auslöser für meine Gesangskarriere!

Du bist also in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen?

Ja, meine Eltern waren sehr musikalisch und haben sich viel angehört. So bin ich aufgewachsen, und die Musik hat mir gefallen. Als Kind habe ich etwa Tina Turners "Nutbush City Limits" gehört und mich im Geiste selbst gesehen, wie ich den Song auf der Bühne performe. Nach Jahren bei den Moondogs war das Lied dann wirklich in unserem Repertoire und ich habe es oft gesungen. Die Band aber, die mich von Anfang an begleitet hat, waren die Beatles und ihre Harmonien. Später dann kamen The Who dazu.

Hast du selbst Vorbilder?

Eigentlich nicht, ich mag nur einige Bands und Musik generell. Harmonien liebe ich besonders. Ich will jetzt nicht angeben, tu's aber (lacht): Für mich ist die beste Musik meine Musik, weil sie 100% zu mir passt und ich auch eine großartige Band habe. Stimme und Harmonien sind wichtig, Rhythmus und Groove dürfen aber nicht zu kurz kommen. Die Musik muss dich zur Bewegung reizen, aber doch melodiös sein. Zudem liebe ich auch Texte. Ich schreibe allerdings überwiegend in Englisch.

Du bist Sängerin/Songwriterin, aber du spielst auch Instrumente. Welche?

Eigentlich nur Mundharmonika. Gitarre gebe ich nie an, weil ich etwas, das ich nicht super kann, nicht nennen möchte. Ich war auch immer umgeben von Supergitarristen und sah keine Notwendigkeit, dieses Instrument zu erlernen. Das Singen habe ich mir autodidaktisch beigebracht, erst vor kurzem habe ich dann einen Kurs belegt, um nicht auf der Stelle zu treten. Aber der hat nur das unterstrichen, was ich unbewusst ohnehin schon gekonnt habe.

Zurück zu den Sängerinnen. Wer beeindruckt dich da?

Da wäre einmal Bonnie Raitt, sie hat eine gewaltige Ausstrahlung. Besonders gefällt mir Sheryl Crow, sie ist dann doch fast wie ein Vorbild.

Hast du jemals daran gedacht, professionelle Sängerin zu werden?

Nie, ich habe immer neben der Musik auch gearbeitet, als Angestellte im Büro. Ich habe gesehen, dass viele Musiker Sachen machen müssen, wie Kommerzmusik oder auf Hochzeiten spielen etc., um davon leben zu können, und das macht mir keinen Spaß. Das wollte ich nicht, da bleibt die Musik auf kurz oder lang auf der Strecke. Ich spiele nur dort, wo ich wirklich will, das ist gut für mich, aber schlecht für die Band. (lacht) Aber da meine Musiker so gut sind, haben sie auch Gelegenheit, bei anderen Gruppen mitzuspielen. Christoph Kögler etwa hat im Herbst eine Tour mit Ian Paice, dem Schlagzeuger von Deep Purple, Reinhard Höbart spielt mit den Voodoo Smurfs und Didi Mattersberger mit der Mojo Blues Band.

In welchen Bands hast du eigentlich gespielt, bevor du The Lightning Rod gegründet hast?

Da wären einmal die Moondogs, das war eher eine Southern-Rock-Band, und dann gab es noch die Band Funkverbot, da spielten wir Funk und Soul.

Was bedeutet der Blues für dich?

Ich fühle mich als Sängerin mit Wurzeln im Blues. Beim Blues muss man eine ganz große Portion Gefühle haben, man muss viel spüren, Timing ist sehr wichtig. Ich "ziehe mir das Lied an", daher kann ich auch nicht alles singen. Ich weiß aber im Gegensatz zu vielen Künstlern, wie etwa Erik Trauner, wenig vom Blues. Ich singe ihn nur und spüre ihn.

Ist die neue CD eigentlich im Lockdown entstanden?

Nein, 75 % der Songs waren bereits live gut erprobt. Manche sind schon mehr als fünf Jahre alt und gehörten endlich auf eine CD. Aber im Lockdown hatten wir Zeit, die Scheibe zusammenzustellen. Ich habe die Songs mit Gitarre aufgenommen und an Didi weitergeschickt, teils mit Ideen für den Groove. Der hat dann seinen Part dazu gespielt und an die anderen Musiker, einen nach dem anderen, weitergeleitet. So entstand eine Rohfassung. Schließlich sind wir ins Studio gegangen und haben den Song live eingespielt. Dann habe ich noch die Backing Vocals eingesungen. Nach Fertigstellung der CD habe ich einen "Pensionsschock" gehabt, eigentlich hätte ich eine Doppel-CD machen wollen. (lacht) Die Texte sind alle von mir, die Musik wird von der Band entwickelt. Aber nicht immer ist der Text zuerst da, manchmal fällt mir auch eine Melodie ein und ich singe Belanglosigkeiten dazu, bis ich den richtigen Text gefunden habe. Bei der Fertigstellung der Songs ist dann die Band maßgeblich beteiligt.

Wie bist du zu Styx und Peter Müller gekommen?

Ich kannte ihn aus der Bluesszene wie viele andere Freunde auch. Mit Peter kann man sehr gut zusammenarbeiten, und ich mag ihn auch sehr gern als Mensch. Er ist erdig, lustig und privat habe ich auch schon mit ihm gespielt, aber in keiner offiziellen Formation.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Ich hoffe, wir werden öfter spielen, aber das hängt von mir ab, ich bin die Managerin der Band. (lacht) Natürlich soll es Auftritte geben, und es gibt auch schon neue Songs, und so werde ich weitermachen. Songschreiben ist mein Leben.

CD/VINYL-TIPP:

Susanne Plahl "Flow", Styx Records

Web-Tipp:

www.susanneplahl.com 

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