blues talk FOLGE 98: Delta Groove - Spezial

 

Eines der beständigsten Blueslabes der Gegenwart mit drei seiner (Chef)Protagonisten


In Zeiten wie diesen ein eigenes Label zu betreiben, noch dazu im Genre des Blues, bedarf einiges an Wagemut. Doch immer öfter gehen Musiker selbst – wie etwa in Österreich Peter Müller mit Styx Records – dazu über, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Ähnlich erging es Randy Chortkoff. Der Harpspieler und Sänger, Produzent und CEO wurde in eine äußerst musikalische Familie geboren, der Vater war begeisterter und gut vernetzter Jazz-Liebhaber. So kam es, dass niemand Geringerer als Louis Armstrong bei den Chortkoffs sein Dinner genoss. Den Summer Of Love erlebte der Teenager in San Francisco oft genug in Bill Graham’s Fillmore und begegnete dort naturgemäß dem Blues in verschiedensten Facetten, was ihn in schließlich auch zu seiner eigenen Band führte. Der erste Blueskünstler, den Chortkoff als Produzent begleitete, war dann ebenfalls ein ganz Großer: Billy Boy Arnold. Es folgten Künstler wie King Ernest, Finis Tasby oder Kirk „Eli“ Fletcher. Im Zuge dieser Tätigkeit gelangte Chortkoff letztlich zur Auffassung, es sei auch wirtschaftlich vernünftiger, diese Arbeit auf seinem eigenen Label wiederzufinden, statt sie an dritte Plattenfirmen abzugeben. Delta Groove Productions war geboren. Doch da der Produzent über einen sehr vielseitigen Geschmack verfügt, reichte dies bald nicht mehr, was Eclecto Groove Records zum Leben verhalf, und demnächst soll auch noch der Start von No Respect Records erfolgen. An Künstlern, die sich in die Hände Chortkoffs begeben haben, seien zu den bereits Genannten unter anderem Elvin Bishop, Ana Popovic, Mitch Kashmar, Nick Currran, The Soul Of John Black, Mike Zito, Rod Piazza, Candye Kane oder Tracy Nelson genannt. Hinzu tritt die All-Star-Truppe der Mannish Boys, mit denen auch Randy Chortkoff selbst auftritt.


Wie so oft im Blues, begann auch die Karriere von Caron „Sugaray“ Rayford in der Kirche. Dort war der Texaner schon im Alter von sieben Jahren als Sänger, aber auch als Drummer zu sehen und zu hören. Jene Jahre prägten die weitere musikalische Karriere des Künstlers, neben dem starken Souleinfluss ist demgemäß auch der Gospel immer noch präsent. Der „Blues“ wiederum hatte Rayford in vielerlei Hinsicht in Beschlag genommen, war doch seine Kindheit unter anderem von großer Armut begleitet, die – alleinerziehende – Mutter starb früh. Prägte also der Gospel die erste Phase der Gesangslaufbahn, so traten danach R&B sowie Funk hinzu, in der San Diegoer Band „Urban Gypsys“, die unter anderem mit der Average White Band, aber auch mit Dennis Quaid oder Joe Louis Walker auf der Bühne stand. All dies führte „Suga“ schließlich auch musikalisch zum Blues, den er zunächst in der Band „Aunt Kizzy’z Boyz“, die 2006 den 2. Platz bei der International Blues Challenge in Memphis erreichte, gab. Nach seiner Übersiedlung nach Los Angeles griff Delta Groove Productions zu, seitdem veröffentlicht der - im doppelten Sinn des Wortes - mächtige Sänger nicht nur Solo-CDs auf dem Label sondern ist – live wie im Studio – auch mit den Mannish Boys tätig, ebenso mit den Delta Groove All-Stars.


Vielen gilt Frank Goldwasser als nahezu idealtypischer West-Coast-Gitarrist. Geboren wurde der Musiker indessen 1960 nicht etwa in Los Angeles, sondern in Paris. Dortselbst kam er erstmals mit dem Blues über importierte Platten in Berührung, vor allem Hound Dog Taylors „Natural Boogie“ hatte es ihm angetan. Trotzdem stieg Goldwasser erst relativ „spät“ ins Business ein, dies allerdings gleich an der Seite von Sonny Rhodes, der ihn letztlich auch ermunterte, in die Staaten zu kommen. Zunächst ging es in die San Francisco Bay Area, wo er bei Troy Key einstieg, dessen Band er dann übernahm. Ebenso war es Key, der Frank (bisweilen auch „Franck“) Goldwasser den Beinamen „Paris Slim“ verpasste. Danach tourte der Gitarrist drei Jahre lang mit Jimmy McCracklin. 1988 veröffentlichte Goldwasser seinen ersten Longplayer, „Blues For Esther“, mit welchem er sofort für einen W.C. Handy Award (die heutigen Blues Music Awards) nominiert wurde. Bis heute ist der Musiker vor allem auch unter Kollegen und Kritikern besonders beliebt, sozusagen ein Musicians Musician. Gegen Ende des letzten Jahrtausends, nachdem er zuvor unter anderem in Europa mit der Fedora Records Revue unterwegs war, kehrte Frank Goldwasser nach Südkalifornien zurück und landete ebenfalls in den Armen von Delta Groove Productions. Bericht: Dietmar Hoscher

Das gesamte Interview mit allen drei Blues-Interpreten finden Sie in der Ausgabe 6-2014. 

CD-TIPPS

  • The Mannish Boys „Wrapped Up & Ready“, Delta Groove Productions

  • Sugaray Rayford „Dangerous“, Delta Groove Productions

  • Frank Goldwasser „Bluju“, Delta Groove Productions


WEB-TIPPS

 



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