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Fette Hupe:

Früchte des Selbstzweifels

Der Bandname klingt eher nach fetzig cooler Hip Hop Gruppe. Ätsch, reingefallen! Es handelt sich um eine Big Band allererster Güte, die mit „Godchild“ altbackenem Jazz eine Menge Leben einflößt.

Fette Huppe / Foto Iris Kloepper
Master Mind: Jörn Marcussen Wulff / Foto : Simon Schwinge

Hinter dem Projekt steckt der Komponist, Arrangeur, Posaunist und Dirigent Jörn Marcussen-Wulff, der trotz seiner Jugend (geb. 1981) schon viel in der Musik weitergebracht und Erfolge eingeheimst hat. Er arbeitet nicht nur im Jazz-Bereich, sondern schreibt auch für klassische Ensembles oder A cappella Gruppen. "Godchild" ist jedoch Jazz; wunderbarer Big Band Jazz in modernster und variantenreicher Form, der von 18 exzellenten Musikern perfekt interpretiert wird. Marcussen-Wulff gründete zusammen mit dem Drummer Timo Warnecke Fette Hupe vor einiger Zeit in Hannover. Mit der Debüt-CD wird die Formation gewiss reüssieren und die Jazz-Welt aufhorchen lassen. Ein Starsaxophonist wie Bob Mintzer schenkt sicher nicht ohne Grund Lobesworte an Marcussen-Wulff her; auch wenn dieser bei ihm studierte. Die 6 Titel des Tonträgers bleiben in emotionellem Rahmen, werden von einem unsichtbaren Bogen umspannt und erzählen viel von seinem Komponisten, Herrn Marcussen-Wulff.

 

Musikalische Überraschungen
"Busy Times" handelt von Lehrjahren, die geprägt waren von Selbstzweifel und neugieriger Erwartung, was das Leben wohl bringen würde. Die Nummer quillt über vor musikalischen Überraschungen und wird immer wieder von Klaus Spenckers rockiger Gitarre dominiert. Nach einer kakophonischen Phase kehrt am Ende Ruhe ein. "Godchild" ist berührende Trauerarbeit für das verstorbene Patenkind des Komponisten. Um das Problem, Gewohntes zu verlassen und neue, aufregende Wege zu gehen, bemüht sich das virtuose "LAX" (steht für den Flughafen von Los Angeles). Der Song entstammt wie auch "Turtle Race" der Suite "History Of Distance", die durch diese Kostproben viel verspricht. Reflektiert "Turtle Race" die Kraft der Langsamkeit, sucht und findet Marcussen-Wulff bei "Pride And Fear" die Tür zu Selbstvertrauen und lässt Hemmnisse hinter sich. Die Schlussnummer, "Lullaby" von Tom Waits, wird von der Band gerne als Zugabe gespielt, um das Publikum beruhigt zu entlassen. Das ist ein guter Trick, denn Fette Hupe kann einen schon in euphorische Stimmungen hochschaukeln. Ernst Weiss


aktuelle CD:

Fette Hupe/Joern Marcussen-Wulff „Godchild“, Unit Records, Vertrieb: Harmonia Mundi

WEB-TIPP: www.fettehupe.de

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