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Blechbaragge: Bewegen im offenen Gelände

Das Vorarlberger Trio Blechbaragge gibt's eh schon 10 Jahre. Nur hat man halt 9 Jahre und 364 Tage ein Päuschen eingelegt, bevor man die Band reanimierte und ein neues Album aufwartet.

Blechbaragge: v.l.n.r. Andreas Bogner, Joe Bär, Alfred Vogel / FotoCredit: Lukas Hämmerle

Bezau ist mit 2000 Einwohnern nicht nur das Zentrum des Bregenzerwalds, sondern auch Geschäftssitz des Labels Boomslang Records und Location des Festivals "bezaubeatz" mit der ziemlich ausgeflipptesten Musik weit und breit. Und wer steckt hinter der Plattenfirma und dem Festival? Der Alfred Vogel, richtig! Der Schlagzeuger trommelt sich zwar ungeniert durch sämtliche Genres, präferiert aber eher doch spontane, freie und improvisierte Musik; da kann er sich genüsslich austoben. Seit etwa 15 Jahren ist Vogel in der Musikszene geradezu hyperaktiv umtriebig. Mit der KDRSociety hält er auf das Afrikanische, bei Peter Madsen´s CIA Trio sorgt er für den korrekten Rhythmus, und bei den komplett aus dem Rahmen fallenden Glorreichen Sieben vernascht er Neil Youngs Edelfolk. Eine gute Ecke in Sachen Jazz, dieses Vorarlberg. Denken wir nur als eines von vielen Beispielen an David Helbock, den Pianisten, der sich mit Random/Control eine internationale Karriere aufgebaut hat. Konzentrieren wir uns auf die Anamnese der Blechbaragge, einem Trio mit gewagter Besetzung, stoßen wir neben Vogel auf den Tubisten Joe Bär und den exzellenten Saxophonisten Andreas Broger, den es, nebenbei erwähnt, nach Wien verschlagen und der schon 7 CDs mit Holstuonarmusigbigbandclub veröffentlicht hat. Schon das Lesen des Bandnamens treibt einem den Schweiß auf die Stirn, die Musik setzt einem wegen der exzessiven Improvisationen noch mehr zu.

Die Wurzeln in der Volksmusik

Alfred Vogel schätzt, dass Joe und Andreas auch aus dem Ländle, aus den Bergen und naturverbunden sind: "Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich die Musik von Blechbaragge aus der Tradition österreichischer Musiker, die von der Blasmusik geprägt sind, nährt. Später studieren dann viele Improvisation und arbeiten mit US-Musikern zusammen. Dadurch entsteht für uns ein neues Land, das natürlich volksmusikalische Elemente einfließen lässt. Schon die Instrumente kommen aus der Volksmusik: Tuba, Saxophon, Klarinette, Marschtrommel oder Tschinelle. Wir spielen aber ganz deutlich Jazz." Bär bläst seine Tuba dazu noch über Effektgeräte; manchmal denkt man, die Blechbaragge verwendet einen Synthesizer. Noch einmal Vogel: "Wir sind garantiert keine Musiker, die ihre Stücke immer wieder gleich abspulen. Wir bewegen uns im offenen Gelände; da gibt es manchmal, aber halt nicht immer, ein Geländer." Auf einen Marsch, wie er im Albumtitel angekündigt wird, braucht man erst gar nicht zu warten; es kommt keiner. Die wie eine Drohung verfasste Headline meint also eher, dass man sich gar nicht erst gemütlich zurücklehnen braucht, sondern bald von abenteuerlichen Sounds, Klängen und Improvisationen getrieben werden wird. "Mother Earth" stapft gleich einmal zur Einleitung daher, die Tuba klingt zeitweise wie ein Didgeridoo. Beim Menuett in D-Moll hätte die Tanzgesellschaft im 17. Jahrhundert wahrscheinlich wenig Freude gehabt, weil sie bei einem druckvollen Solo von Joe Bär wahrscheinlich ihre Beine verstrickt hätte. "Phil´s Song" ist rockig; und bei "Grund Gewaex" und "Make Me Great" demonstriert Blechbaragge, welch robustes, musikalisches Nervensystem von der Band schöpferisch installiert wurde. Ernst Weiss

CD-TIPP: Blechbaragge, "Wir blasen euch den Marsch!", Boomslang Records, Vertrieb: Galileo Music

WEB-TIPP: www.traps.at 

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