Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 6/2017 > Blues Talk Folge 116

blues talk FOLGE 116; Young Man’s Blues

Unter 50 zählt man im Blues bekanntlich zu den Jugendlichen. Eine kleine, saitenzentrierte Bestandsaufnahme des diesjährigen Vienna Blues Spring

„Ich möchte nicht verklagt werden“ – Eric Steckel/ Foto: Hoscher

In einem Alter, in dem sich andere noch mit der Blockflöte herumschlagen, stand der Amerikaner Eric Steckel bereits mit seiner Gitarre auf der Bühne. Ganze neun Lenze zählte er da. Zwei Jahre später folgte bereits das erste Album, "A Few Degrees Warmer", eine Liveplatte. Gewagtes Unterfangen, doch erfolgreich! Und wie so oft bei "Wunderkindern" stellte sich auch hier bald ein "Mentor" ein. In diesem Fall trägt er den Namen John Mayall. 2003 traten beide beim Saratosa Blues Festival auf, und der britische Altmeister wurde auf den unbekümmerten Youngster aufmerksam. Sie freundeten sich an, und 2004 holte Mayall den jungen Saitenzampano zu seiner Skandinavientournee, um ihn danach auch auf seiner Platte "Road Dogs" zu featuren. Doch Steckel gab sich mit Gastauftritten keineswegs zufrieden und veröffentlichte weiterhin konsequent eigene Alben. Dabei driftete der Stil nach und nach stärker in Richtung Bluesrock, jedoch unter Verzicht auf "pedalboards, laptops and samples". Stattdessen prägen "laute Gitarren und tolle Verstärker" die Szenerie. Ungewöhnlich ist zudem, dass der heute 26-Jährige von Anfang an auch auf eigenes Material setzte und damit der nicht unverbreiteten Meinung entgegentrat, Bluessongs könnten nur von älteren Semestern integer zu Papier gebracht werden.

„Das Publikum muss begeistert nach Hause gehen“ – Guy Verlinde / Foto: Hoscher

Mit 41 zählt auch der Belgier Guy Verlinde noch immer zu den jüngeren Semestern des Genres. Trotzdem wird der Stammgast des Vienna Blues Spring im kommenden Jahr gleich ein doppeltes Jubiläum feiern: 20 Jahre "on the road", 10 Jahre davon mit seinen Mighty Gators. 1976 in einem kleinen Dorf nahe Brügge zur Welt gekommen, hat sich Verlinde, der anfangs unter dem Stage-Namen "Lightnin' Guy" firmierte, seinen heutigen, guten Ruf in der (europäischen) Bluesszene hart erarbeitet. Unermüdlich unterwegs, sowohl musikalisch als auch netzwerkend, gelang es ihm über die Jahre, als vielseitiger Musiker wahrgenommen zu werden. Im Zentrum steht zwar derzeit sein "elektrisches" Outfit, die erwähnten Mighty Gators, doch sollte Verlinde insbesondere solo und akustisch nicht unterschätzt werden. Er bewegt sich dabei nämlich in der historischen Tradition der Storyteller und lässt dabei auch autobiographischen Witz nicht zu kurz kommen. Als drittes Standbein wiederum gründete der Sänger, Gitarrist und Songwriter 2011 die - laut Eigendefinition - "einzige Hound Dog Taylor-Tribute Band in Europa", Guy Verlinde & The Houserockers. Ein breites Spektrum also, welches hier abgedeckt wird. Trotzdem wirkt dies alles höchst beseelt und wird mit voller, integrer Energie auf die Bühne gebracht. Ein starkes Ausrufezeichen der europäischen Bluesszene.

„B.B. King hat mein Leben verändert“ – JP Soars / Foto: Hoscher

Ebenfalls noch keine fünfzig Sommer hat der Kalifornier JP Soars in seiner Vita zu verzeichnen. Aufgewachsen in Arkansas, beschäftigte er sich gitarrenmäßig zunächst mit Heavy Metal und Rock, fand aber schließlich über den Swing (auch) zum Blues. 2009 gewann er mit seiner Band, The Red Hots, die International Blues Challenge in Memphis, nachdem ein Jahr zuvor mit "Back of My Mind" die Blues-Debüt-CD in die Läden gekommen war. Dazu trat die Auszeichnung als vielversprechendster Gitarrist, der Albert King Award. Die Bandbreite von Soars reicht von den erwähnten Heavy-Einflüssen, wie Black Sabbath und Slayer, über Muddy Waters bis zu Wes Montgomery oder Django Reinhardt. Neben The Red Hots bzw. Southern Hospitality kann der Amerikaner mit etwas Glück bisweilen auch solo oder im Duo mit "Gypsy Jazz" erlebt werden. Im Blues tritt zu seiner markanten Stimme und der vielfältigen Saitenarbeit übrigens ein weiteres, uniques Markenzeichen, zu dem er immer wieder greift: eine seiner zweisaitigen, selbstgefertigten Cigar-Box-Slide-Gitarren, die - elektrisch verstärkt - einen mächtigen Sound entwickeln.

Interviews: Franz Richter, Dietmar Hoscher

CD/VINYL-TIPPS:
- Eric Steckel "Black Gold", Eigenverlag
- Guy Verlinde "How How How", Blue Sting
- JP Soars "Full Moon Night in Memphis", Soars High Productions

WEB-TIPPS:
www.ericsteckel.com 
www.guyverlinde.com 
www.jpsoars.com 

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