Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 6/2017 > Dick-Kieckbusch-Zimmerlin

Der Zusammenstoß gebiert die Form.

Drei Meister-Improvisatoren im Spiel der Begegnung.

Selten ist die Redensart von den verwandten Geistern zutreffender als im vorliegenden Fall des New Yorker Flötisten Robert Dick, des deutschen Pianisten Ulli Johannes Kieckbusch und des Schweizer Cellisten Alfred Zimmerlin.

Dick / Kiekbusch / Zimmerlin / copyright: Unit Records

Alle drei sind hervorragende Interpreten des (vor allem modernen) Repertoires des eigenen Instruments, alle drei musikpädagogisch (sei es lehrend, sei es publizistisch) aktiv, alle drei mit einem nennenswerten kompositorischen Portefeuille, und ja, allesamt großartige Improvisatoren. Die im titelgebenden Schriftzeichen @ ausgesprochene Idee der insgesamt 12 Stücke ihrer bereits im November 2001 eingespielten und soeben bei Unit Records veröffentlichten Aufnahme scheint der Gedanke gewesen zu sein, die horizontale Zeit der Sukzession und des melodischen Kreisens in die Vertikale ereignishaften Aufeinandertreffens zu kippen. Womit das Gefüge eine Verdichtung von Strukturen erfährt, die eine pulsierende oder vibrierende Klangenergie aufweisen, mit raschem, gestochenem Wechsel von einer klanglichen Situation zur anderen. Deutlich hörbar ist ein "Weiterreichen" einer Aktion von Spieler zu Spieler. Dabei werden weniger Zusammenklänge zwischen Stimmen reguliert als vielmehr Bewegungen koordiniert: Bewegungen des Klangs, die räumlich nachzuvollziehen sind, und Bewegungen zwischen den Aktionen der Spieler, die sich zu Gesten verbinden. Nicht allen Stücken würde man abnehmen, dass Form hier keine gesetzte Ordnung zwischen Klängen ist, sondern aus freier (wenn auch geprobter) Improvisation entsteht, so eingängig gestaltet sich die Interaktion der drei. Beispielhaft in "Choose 'Beuys Blues' at Sue's", wo Robert Dick den eigenkomponierten "Sliding Life Blues" einer herrlich destruktiven Lesart aussetzt, oder in den geglückten Versuchen, die konzentrierten Texturen mit Witz und Unterhaltung zu verbinden, wie im spaßigen "Frank Byron and Shelly Stein Drink Up at Golem's", wo gelungene Geräuschaktionen (mit diversem aufgezogenem Spielzeug und Gameboys) bis zum nächsten Einfall wiederholt werden. Besonders Kieckbusch präpariert sein Klavier mit allerhand Vorgefundenem oder auch selbst hergestellten Gegenständen und lässt schon einmal einen Tischtennisball aus dem Flügel fallen. Achim Doppler

CD-TIPP

Dick/Kieckbusch/Zimmerlin „@“, Unit Records, www.unitrecords.com

WEB-TIPP

www.robertdick.net

www.uli-johannes-kieckbusch.de

www.alfredzimmerlin.ch

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