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Breinschmid & Gansch: Neuigkeiten aus dem Paralleluniversum

Was entsteht, wenn man Breinschmid mit Gansch kreuzt? Eh klar: "Bransch". Und so heißt auch die neue CD des fulminanten Duos, auf der Stilgrenzen und sonstige Konventionen lustvoll über den Haufen geworfen werden.

Georg Breinschmid und Thomas Gansch: Neuigkeiten aus dem Paralleluniversum

Breinschmid & Gansch / FotoCredit: Julia Wesely

"Die Stücke auf der 'Bransch'-CD sind fast ident mit dem Programm, das wir 2016 geschrieben haben. Der vorliegende Mitschnitt stammt auch zum größten Teil von zwei Auftritten im Wiener Konzerthaus im Oktober 2016, als wir das Programm erstmals spielten." Soweit der Kontrabassist, Sänger und Komponist Georg Breinschmid über die Entstehungsgeschichte des Tonträgers, den er mit seinem kongenialen Partner Thomas Gansch (Trompete, Flügelhorn, Gesang und Gitarre) realisiert hat.

Die Besetzung ist denkbar klein, der musikalische Output aber enorm. Wer dieses Duo schon einmal live erlebt hat, weiß, zu welchen virtuosen Spitzenleistungen sich Breinschmid und Gansch gegenseitig aufschaukeln können. Auf "Bransch" geht es denn auch bisweilen symphonisch zu, etwa in dem aberwitzigen Arrangement von Rossinis Ouvertüre zur Oper "Die diebische Elster" oder in dem dreisätzigen "Konzert für Trompete und Kontrabass". Klassische oder jazzige Erwartungshaltungen seitens des Publikums werden schlichtweg ignoriert, aber nicht auf arrogante, sondern auf charmante Art und Weise. Breinschmid: "Grundsätzlich ist in den meisten Stücken viel Raum für Improvisation und Spontaneität. In Summe ist das Verhältnis 'auskomponiert' versus 'spontan' wohl etwa 50/50. Es ist wichtig, das Gerüst und die Kompositionen zu haben, aber es kann innerhalb dieses Rahmens von Abend zu Abend sehr Unterschiedliches passieren (manchmal auch außerhalb des Rahmens)."

Vom "Schönberg Stomp" zum "Pharmatanz"

Die Musik dieses exzeptionellen Duos entsteht aus dem Bestreben "etwas unbedingt Individuelles, Eigenes zu machen" und sich bewusst außerhalb des Mainstreams aufzustellen. Kategorien wie Jazz, Klassik, Songwriting, Avantgarde spielen keine Rolle, weil prinzipiell alles möglich ist. Bransch sind zwei Musiker auf der Suche nach etwas, das nach landläufigen Kriterien "nicht zusammenpasst, nicht einzuordnen oder 'marktkompatibel' ist." Dass die Resultate nicht knochentrocken, sondern äußerst vergnüglich sind, liegt in den Charakteren der beiden Protagonisten begründet. Das manifestiert sich auch in dadaistischen Wort- und Namenskreationen. So treibt etwa "Schnabulescu Bandini" mit Hilfe einer 7/4-Bassfigur sein Unwesen, und beim "Schönberg Stomp" ist der Titel gleich Programm: "Da hat sich die Musik aus der Idee des Titels ergeben, sozusagen aus der Kombination von Zwölftonmusik und Dixieland."

Ein buntes und skurriles Paralleluniversum in Wort und Ton tut sich auf, von "Edeltraud, die mir bei Schnupfen einen Minztee braut" bis zum "Pharmatanz" mit seinem Refrain "Acetyl, Salicyl, cha-cha-cha". Der Bassist über die Entstehungsgeschichte der CD: "Gemeinsame Komponier- und Probentermine sind oft nicht ganz leicht zu finden, aber für das 'Bransch'-Programm haben wir uns 1-2 Wochen vor der Premiere häufiger getroffen und intensiv am Fertigstellen und Feinschliff der neuen Sachen gearbeitet, z.B. am Arrangement der 'Diebischen Elster' oder an der komplexen Struktur von 'Tirana', einem Stück, auf das ich durchaus stolz bin."

Sympathie zwischen den beiden Musikern ist natürlich eine Grundvoraussetzung für solche Kreationen. Breinschmid, der sich selbst als "kompromisslosen Individualisten" bezeichnet, über seinen Bruder im Geist: "Thomas ist einer der weltbesten Trompeter, ein gewaltiger Improvisator, toller Sänger und vieles mehr. Besonders schätze ich an unserer Zusammenarbeit, dass wir wirklich gemeinsam schreiben und komponieren können - das setzt schon eine spezielle Chemie voraus, die man nicht mit jedem Musikerkollegen hat, mit dem man 'nur' spielt." Sollten Sie noch nicht die Gelegenheit gehabt haben, Bransch live zu hören, stöbern Sie doch einmal auf Georg Breinschmids Homepage und sehen Sie sich einige der skurrilen Videos an, die in den letzten Jahren entstanden sind. Und die Moral von der Geschicht' (falls es eine solche geben sollte) bietet Track 3 der neuen CD: "Text und Musik müssen eine Einheit bilden." Martin Schuster

CD-Tipp:

Georg Breinschmid & Thomas Gansch "Bransch", BreinMUSIC, Vertrieb: Preiser

Live-Tipps:

  1. 02.02.2019: IGEL, Waidhofen/Thaya, www.folkclub.at 

  2. 30.03.2019: Obermarkersdorf, NÖ

Weitere Infos und Termine: www.georgbreinschmid.com 

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