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Walter Fischbacher: Ein universeller Pianist

Ende Oktober (28.10.) war das Wiener "Jazzland" gesteckt voll. Der Pianist Walter Fischbacher aus der Stadtgemeinde Vöcklabruck im Hausruck war zu Gast

Walter Fischbacher /FotoCredit: Herbert Höpfl

Der Musiker lebt seit 1994 in New York City, die Hälfte seines Lebens (geboren 1966), und konstruierte sich eine Karriere mit lichten Höhen und grauen Tiefen. Fischbacher wurde mit seinem Trio Phishbacher bekannt, das bis jetzt 5 Alben auf den Markt brachte. Mit einer mutigen Collage aus Jazz, Klassik und federndem Funk bekamen auch hippe MusikerInnen aus der Gotham City Appetit, mit Walter zu kooperieren. Kaliber wie Frank Foster (sax, 2011 verst.), Randy Brecker (tp), Billy Harper (sax) oder Charles Tolliver (tp), konzertierten mit ihm. Alles KollegInnen Fischbachers, die auch aktuell noch trendy und in der Jazzszene aktiv sind. Letztens im traditionsreichen "Landl", einer heiligen Stätte des Wiener Jazz, war Walter Fischbacher "nur" prominenter Sideman in der Elisabeth Lohninger Band. Die talentierte und tief emotionelle Sängerin aus dem Salzkammergut ist die Gattin Fischbachers und achtet, dass in ihrer eigenen Karriere etwas weiter geht. Auch sie lebt seit 1994 in New York und ist seit 2002 Lehrbeauftragte an der "New School for Jazz". 

"Ein hartes Leben", resümiert Walter in einem Interview mit dem CONCERTO, "ich bemühe mich, permanent dran zu bleiben, um in New York nicht abzustürzen. Ich musste früher neben dem Musizieren einige andere Jobs annehmen, z.B. Klaviere stimmen. Ich weiß nicht, über wie viele Flügel ich mich beugte." 

Walter Fischbacher in New York City / FotoCredit: Lohninger

Eine komplexe Ausbildung

Die personifizierte Bescheidenheit am Piano durchlief eine profunde und niveauvolle Ausbildung mannigfaltiger Art, der sie an die 10 Jahre ihres Lebens widmete. An der Wiener Hochschule für Musik studierte Walter 1985 bis 1990 klassisches Klavier, hängte dann 4 Jahre an, um am Wiener Konservatorium das Jazzpiano zu fokussieren und besuchte hernach auch noch in New York die schon erwähnte "New School for Jazz". Aktuell promotet Fischbacher seine Solo-CD "Moments"; der Phish machte quasi dem Fisch Platz. Von den 13 Tunes stammen 4 aus Walters kompositorischer Produktion, ein Song, "Take My Picture While I´m Smiling", kommt von seiner Ehefrau Elisabeth Lohninger und 8 weitgehend populäre Titel coverte er. Man hört delikat musikalische Kost, die von einem virtuosen Interpreten gespielt wird, der auf keinen Fall imitieren, nachbeten oder gefällig zurechtrücken will. Was sich Fischbacher vornimmt, wird sein Eigentum, seine Perspektive an Neufassungen und sein persönlich kreativer Zugang zu Jazz mit klassischen Einschüben. "Moments" lebt von Feinheiten, hohem Level und spannungsgeladenem Profil. Die Eigenkompositionen sind oftmals lyrisch und von hintergründiger Schwermut gefärbt ("z.B. Morning Flower" oder "Mellow Moon Moaning").

Covers nicht im Easy Listening-Format

Die Remakes sind natürlich in ihrer Stimmung breit aufgefächert. "Take Five" von Paul Desmond, "Days Of Wine And Roses" von Henry Mancini oder "On Green Dolphin Street" von Bronislaw Kaper geben viel her für Walters Improvisationen und speziell musikalische Ausreizungen. Ein Song kommt zweimal auf "Moments", da ihm Fischbacher verfallen scheint: "While My Guitar Gently Weeps" von George Harrison. Dieses Lied bereichert auch das Album "Dreamcatcher". Zurück im Keller, im Jazzland. Neben Lohninger/Fischbacher agierten der Kölner Drummer Alex Bernath, der relativ jung (1986 geb.) eine Visitenkarte auflegt, die beeindruckend ist. Er trommelte etwa für Fred Wesley, Branford Marsalis oder Rodney Curtis von P-Funkadelic. Alex studierte in Holland und ist, nachdem er seit seinem 12. Lebensjahr in Big Bands oder klassischen Formationen den Rhythmus vorgibt, ein junger "alter Hase" im Business. Am Bass lernte man Ondrej Stajnochr kennen. Der Prager spielte schon oft in Wien, aber stets Klassik. In Sachen Jazz debütierte er am Franz-Josefs-Kai im Herzen Wiens. Da Walter Fischbacher seit 2004 regelmäßig in Europa tourt, ob im Trio, Duo oder Solo, hat sich eine Fangemeinde angesammelt, die treu seine Gigs besucht. Ernst Weiss 

CD-TIPPS:  

  • Walter Fischbacher, "Moments" (Solo Piano), Natango Music (2019);
  • Phishbacher Trio, "Dreamcatcher", JazzSick Records (2014)
  • Elisabeth Lohninger (im Duo mit Fischbacher), "Soul Garden", Lofish Music (2017)

WEB-TIPPS:

www.walterfischbacher.com und www.lohninger.net 

LIVE-TIPPS:

Walter Fischbacher solo: 10.12.: Hilden (DE), Stricker Studios; 11.12.: Köln 

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