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blues talk FOLGE 134: Made in Austria

Und abermals beweist unser Land, dass wir auch im Blues international mehr als konkurrenzfähig sind.

Erik Trauner im Schallter Records Store / FotoCredit: Dietmar Hoscher

Spricht man über Blues aus Österreich, so spricht man über die Mojo Blues Band. Ich bin mir bewusst, dass Al Cook jetzt wahrscheinlich heftig protestieren wird, was aber nicht nötig ist, denn seine Rolle als "Vater" der heimischen Zwölftaktszene ist unbestritten und kann/soll ihm auch nicht genommen werden. Doch die Mojo Blues Band hat sich eben nicht nur in ihrer Heimat, sondern weit darüber hinaus, bis ins Mutterland dieser Musik, Amerika, einen Namen gemacht. Und einen hervorragenden noch dazu. Damit hat der Mastermind der Gruppe, Erik Trauner, vielen anderen den Weg bereitet und sie inspiriert. Somit ist jeder neue Tonträger der Mojo Blues Band immer etwas Besonderes. Trauner hat während des ersten Lockdowns mehrfach zur Gitarre gegriffen, darunter für den Song "Shutdown", der in den sozialen Medien sofort die Runde machte. Und so versammeln Trauner, Siggi Fassl, Charlie Furthner, Herfried Knapp und Didi Mattersberger rund um die Komposition sowie eine Neuauflage des Publikumslieblings "Walk The Bridge" ihre vertraute und dennoch - wie stets - frische und spielfreudige Melange aus Eigenkompositionen und Covers. Aufgenommen wurde im Juli dieses Jahres an vier Tagen im - leeren - Orpheum, nur der Bonustrack "Do Me Up Good" stammt von einem Liveauftritt in der Schweiz. Ein weiteres suchtgefährdendes Juwel aus dem Hause Mojo Blues Band. CONCERTO traf Erik Trauner, wie auch alle anderen ProtagonistInnen dieses BluesTalk, im Basement des Wiener Schallter Record Stores zum Interview.

Erik Trauner zelebriert den Blues mit voller Inbrunst. Live im Igel / Folk-Club Waidhofen, 2019. FotoCredit: Herbert Höpfl

"Wir verstehen uns blind" - ERIK TRAUNER

Nachdem die Mojo Blues Band ja nicht regelmäßig Tonträger veröffentlicht, ist die Nachricht eines neuen Werkes immer etwas Besonderes!

Nun, eigentlich veröffentlichen wir schon regelmäßig, aber eben in größeren Abständen! (lacht)

Im Unterschied zur Anfangsgeschichte der Band, wo nahezu alle ein bis zwei Jahre eine Platte erschienen ist.

Haben wir das wirklich gemacht? Mit der Zeit begreift man, dass dieses Veröffentlichungstempo nicht nötig und es besser ist, einen Tonträger erst dann herauszubringen, wenn man das Bedürfnis dazu hat und es auch musikalisch derart passt, dass man meint, wieder etwas zu erzählen zu haben.

Ein Album macht man doch eher, wenn man sich gut fühlt und Spaß hat. Jetzt ist aber die Corona-Zeit alles andere als lustig. Wie kam es gerade in dieser Situation zur neuen Platte?

Wir haben begonnen, sie aufzunehmen etwa zu jener Zeit, als ich "Shutdown" geschrieben habe. Die Nummer ist mir förmlich zugeflogen, da hat man nicht lange nachdenken müssen. Du sitzt zu Hause, denkst, du hast endlich einmal etwas Ruhe, aber dann kommt die Verzweiflung und Angst, wie es weitergehen wird. Es entsteht also eine große Unsicherheit. Wir Musiker haben da das Glück, unsere Gefühle und Sorgen gleich in die Musik kanalisieren zu können. "Shutdown" etwa habe ich in nur zehn Minuten geschrieben.

Und er hat auch gleich auf Social Media eingeschlagen?

Offenbar trifft er den Nerv der Zeit und spricht nicht "nur" die Blueser an. Weltweit kann sich jeder damit identifizieren. Das ist mir bisher noch nie so gelungen. Rund um diesen Song wollten wir dann das Album aufnehmen, ohne spezielles Konzept oder Vorbereitung, ganz spontan. Wir haben uns ins geschlossene Orpheum begeben und dort drauflos gespielt. Nummern, die beim Publikum gefragt sind, aber auch andere, bei denen ich zwar die Texte zu Hause, aber sonst noch nichts damit gemacht hatte. Bei einer Band wie der unseren ist das kein Problem, wir sind jetzt 20 Jahre zusammen und verstehen uns blind. Ich habe es sehr erfrischend empfunden, diese Musik im Moment der Aufnahme entstehen zu lassen.

Das heißt, du bist nicht mit fertigem Material gekommen, sondern eher mit Ideen?

Absolut, insbesondere gilt das für die Instrumentals. Aber wir haben zum Beispiel auch "Walk The Bridge", den Titelsong unseres 2013er-Albums nochmals aufgenommen. Wir wollten den Song so einspielen, wie wir es live immer tun, ohne Arrangements rundherum, eben etwas "entrümpelt".

Was bietet das neue Album noch?

Unter anderem Songs, die wir oft spielen, aber noch auf keinem Tonträger verewigt haben. Etwa Chicago-Klassiker wie "Honest I Do". Diese Nummern haben wir schon lange im Repertoire, können sie praktisch "im Schlaf". So haben wir bei den Aufnahmen auch die anfängliche Nervosität ausgeschaltet. Dieses Experiment ist super aufgegangen. Wir hatten Riesenspaß während der vier Tage, die wir im leeren Orpheum verbracht haben.

Du hast schon erwähnt, dass die Mojo Blues Band live sehr präsent ist. Wie geht es euch damit in Zeiten wie diesen?

Wir waren schon sehr in einer Art Hamsterrad gefangen, haben 100 bis 200 Gigs pro Jahr gespielt. Erst wenn du - drastisch gesprochen - unvermittelt ein Berufsverbot bekommst, wachst du auf und merkst, dass du ohnehin schon eine Pause gebraucht hast, um wieder einmal runterkommen zu können. Natürlich ist diese Pandemie katastrophal, mir hat der Shutdown aber die Möglichkeit gegeben, wieder einmal das Leben reflektieren zu können und Zeit für mich zu haben. Die Angst ist andererseits aber auch nicht ganz wegzuleugnen. Ich habe allerdings festgestellt, dass ich ein hoffnungsloser Optimist bin und glaube, dass wir wieder in normale Bahnen zurückfinden werden. Vielleicht haben wir insgesamt sogar etwas dazugelernt.

Wirtschaftlich ist eine derartige Zäsur aber auch für einen Musiker schwer zu bewältigen?

Das stimmt natürlich, aber für mich selbst war es nicht ganz so dramatisch. Ich bin alleinstehend, muss keine Alimente zahlen, besitze kein Auto und habe meinen Lebensstandard immer eher niedrig gehalten. Ich habe keine großen Ansprüche. Außerdem bin ich geprägt von meinem Vater, der selbständig war und immer wieder von der Pleite geredet hat. Das hat sich in meinen Kopf eingebrannt. Ich bin jetzt 43 Jahre on the road, und es ist bisher sehr gut gegangen. Ich hatte das Glück, ein wenig vorsorgen zu können, konnte daher meine Instrumente behalten, auch meine Platten und kann Freunde einladen. Wir haben aber auch unbürokratisch Hilfe bekommen, ich kann mich daher nicht beschweren. Das ist zwar für einen Wiener eine Tragödie, nicht raunzen zu können, aber es war in meinem Fall so. Sowohl die Stadt als auch andere Institutionen haben schnell geholfen. Aber das ist nur meine subjektive Erfahrung. Ich bin mir vollkommen bewusst, dass es viele andere Musikerinnen und Musiker im Gegensatz dazu sehr schlimm erwischt hat.

Seien wir kurz pessimistisch: Was würdest du tun, wenn sich die Situation auch in zwei, drei Jahren nicht ändert?

Nun, das habe ich mir auch überlegt und ich würde versuchen, in die bildende Kunst zu wechseln, etwa wieder stärker zu malen oder mich mit Modellbau zu beschäftigen, wofür ich bis jetzt zu wenig Zeit hatte. Ich könnte mir auch vorstellen, im Musikbusiness zu arbeiten als Manager einer Band oder als Produzent. Aber das wollen wir jetzt gar nicht ins Auge fassen!

Hast du derzeit eigentlich Kontakt zu deinen Bluesfreunden weltweit?

Sehr wenig. Schlimm ist es aber, dass durch Corona wieder jeder Staat sein eigenes Süppchen kocht und der Eindruck entsteht, dass es oft gar nicht mehr um die Gesundheitsfrage per se geht, sondern nur um politisches Kalkül. Ausgetragen wird das, wie immer, auf dem Rücken der Bürger. Auch die EU gibt es in diesem Bereich wieder einmal nicht.

Wie steht es eigentlich um die Doku über euch, an der schon einige Zeit gearbeitet wird?

Jetzt, wo du mich fragst (lacht): Sie wurde vor 3 Jahren begonnen und geht jetzt in die Endphase der Produktion. Einiges Material musste überarbeitet werden, da es mittlerweile "veraltet" war, aber nun ist es bald soweit!

CD-TIPP: Mojo Blues Band "Shutdown",  Styx Recods

LIVE-TIPPS (mit Vorbehalt):

TERMINE JÄNNER - MAI 2021

Mittwoch, 13. Jänner 2021

MOJO BLUES BAND

JAZZLAND, 1010 Wien, Franz Josefs Kai 29, ab 21:00h

Donnerstag, 14. Jänner 2021

MOJO BLUES BAND

JAZZLAND, 1010 Wien, Franz Josefs Kai 29, ab 21:00h

Donnerstag, 28. Jänner 2021

ERIK TRAUNER & MARTIN PYRKER

JAZZLAND, 1010 Wien, Franz Josefs Kai 29, ab 21:00h

Samstag, 30. Jänner 2021

MOJO BLUES BAND

20. Schlachthof Bluesfestival - Jubiläum!

Mit Mojo Blues Band, Martin & Sabine Pyrker, Axel Zwingenberger und Peter Kern

ALTER SCHLACHHOF WELS, 4600 Wels, Dragonerst. 22, ab 19:30h

Samstag, 13. Februar 2021

MOJO BLUES BAND

ORPHEUM WIEN, 1220 Wien, Steigenteschgasse 94b, ab 20:00h

Freitag, 12. März 2021

MOJO BLUES BAND

FESTSAAL IM ZENTRUM, 8750 Judenburg, Kaserngasse 18, ab 19:30h

Samstag, 20. März 2021

MOJO BLUES BAND

Blues meets Gospel

Special Guests: Gisele Jackson, Lilli Kern, Petra Toyfl & Susanne Plahl

METROPOL, 1170 Wien, Hernalser Hauptstraße 55, ab 20:00h

Freitag, 07. Mai 2021

MOJO BLUES BAND

INFO FOLGT, 9020 Klagenfurt

Mittwoch, 12. Mai 2021

MOJO BLUES BAND

INFO FOLGT, 2542 Kottingbrunn

 

WEB-TIPP: www.mojobluesband.com

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