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Eine Liebesaffäre über Dezennien

Martin Schusters Buch "Rock im Jahr 1971-Größer, lauter, aufregender"

Wer, wenn nicht er, kann so ein Buch schreiben: Martin Schuster: Autor, Musikjournalist, versierter Musiker und Kulturinitiator im nördlichsten Waldviertel.

Rod Stewart schmückt das Cover des Buches "Rock im Jahre 1971" von Martin Schuster / FotoCredit: Wolfgang Gonaus

Ein Unermüdlicher, von Leidenschaft für Rock, Jazz u. m. durchdrungen. Ein Mensch, dem die Musik nach der Familie das Wichtigste auf Erden ist. Schließt man "Größer, lauter, aufregender" auf Seite 198, bleiben als Exegese 2 Begriffe hängen: eine verblüffend hohe Kompetenz in Sachen Musik und ein sensitiver Verzicht auf Trivialitäten. Schuster bleibt immer sachlich, informativ und trotzdem emotionell. Ihm ist der künstlerische Output wichtig und nicht, wie es berühmte Proponenten der 70er Jahre geschafft haben, jung im Nirwana zu entschwinden. Zu seinen lobenswerten Eigenschaften zählt auch eine Akribie, die weit von nerviger Zwänglerei zu finden ist. Alles, was Martin Schuster für sein Buch zu erarbeiten hatte, geschah mit Genauigkeit und journalistischen Abwägungen. Interviews mit Prominenz (z.B. Mick Box oder Don McLean) wirken überlegt und geben dem Gesprächspartner die Chance, Substantielles zu antworten. Für den Aficionado ein Traum sind die zahlreichen Fotos, die Martin aus aller Welt zusammensuchte oder von hiesigen Fotografen wie Wolfgang Gonaus, Herbert Höpfl, Helmut Riedl oder Rainer Rygalyk zur Verfügung gestellt bekam. Auch ein absoluter Superstar wie Roger Dean, der Dutzende Plattencover für Bands wie Yes oder Uriah Heep malte, öffnete für Schuster sein Archiv. Folgt man dem Inhaltsverzeichnis, das interessant strukturiert ist und einem das Wasser im Mund zusammenrinnen lässt, so erfährt man in "Soundtrack meiner Jugend", wie Martins Liebe zu dieser "neuen Musik" entbrannte, die aus England eingeschleppt worden war und den Erziehungsberechtigten eine Menge Ärger bescherte.

Der Autor Martin Schuster im Jahre 1971, inklusive Poster von George Harrison im Hintergrund

Die 1. Single

Im Alter von 10 kaufte sich Martin seine erste Platte, eine Single ("Hey Jude"/"Revolution" von den Beatles) und spielte sie im Garten auf einem tragbaren Plattenspieler nonstop. Eltern und Nachbarn waren begeistert. Noch mehr frohlockte Mama, als er sich mit Filzstift u.a. "The Hollies" oder "The Kinks" auf die neue Lederhose malte. Mit 16 bekam Martin von den Eltern eine "Welson"-Orgel geschenkt. Bald engagierte sich der Teenager in einer Band. Nach dem Woodstock-Festival (1969) war Schluss mit Bussi-Bussi, Flower Power und naivem Hippie-Posing. Ian Anderson von Jethro Tull konstatiert: "Wir landeten 1971 in der brutalen Realität." Attentate, Rassismus und Kriege demolierten den geradezu infantilen Traum von einer heilen Welt. Damals wurden erfolgreiche Bands zum Objekt der Begierde für Konzerne, die eine Menge Geld rochen und eisern das Kommando über die Szene übernahmen. Das Image und das Äußere der MusikerInnen passte den Bossen fein in das Konzept, mit Exoten fleißig Kohle zu scheffeln. Unter den abundanten Kapiteln des Buches findet man auch mehr als 10 Seiten "Keyboards an die Macht!". Es dämmert einem sehr bald, dass das Werk ein Keyboarder schrieb, der den Stellenwert der Tasteninstrumente mit Leidenschaft und exorbitantem Fachwissen aufrollt. Begeistert erzählt Schuster von u.a. Keith Emerson, Rick Wakeman und dem legendären Trident Piano in einem Studio in Soho.

Von deutschem Krautrock und österreichischen Eigenbrötlern

Unerwartet, dass der Autor ein Kapitel "Krautrock" bearbeitete und deutsche Bands wie Tangerine Dream oder Amon Düül II als Gruppen sieht, die auch international die Rock-Szene beeinflussten. Unser kleines Österreich kommt unter "Tu, felix Austria: Liedermacher, Rocker und Eigenbrötler" auch zur Sprache. Alle relevanten Namen sind zu finden, die am Beginn der 70er Erfolge verbuchen konnten (u.a. Wolfgang Ambros, Novak´s Kapelle, Drahdiwaberl, Misthaufen oder Gipsy Love). Die Aufzählung spiegelt wieder, wie es auch in der weiten Welt passierte: Rock-Musik spragelte sich in vielerlei Genres auf und beglückte mit einer weitgefächerten Vielfalt (Funk, Blues, Soul, Fusion usw.). Gegen Ende des Buches wird es sehr spannend, wenn Schuster seine "27 Lieblingsalben-1971" vorstellt und definiert. Wiederum ist man von Enthusiasmus und messerscharfer Analyse gefesselt. Als Draufgabe berichtet Schuster, was Superstars wie Jimi Hendrix oder Van Morrison 1971 trieben und welche MusikerInnen in diversen Genres reüssierten. Viel Arbeit war sicher die "Album-Diskografie 1971", die auf keinen Vollständigkeitsanspruch pocht. Schluss mit Lustig und der Lobhudelei, aber das Buch ist ein Muss für den Rock-Fan. Ernst Weiss

Buch-Tipp:

Martin Schuster, "Rock im Jahr 1971-Größer, lauter, aufregender",

Verlag Bibliothek der Provinz, 206 Seiten, ISBN: 9 783991 260714, € 30;

weitere Bezugsquellen:

Schallter-Records, 1070 Wien, 
www.schallter.at 

 

 

 

 

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