
Jazzfreunde und Kenner des nordischen Piano-Trios konnten es bereits erahnen: Der Premierenauftritt des norwegischen Espen Eriksen Trio – das überhaupt erstmals in Österreich zu hören war – übertraf die ohnehin hohen Erwartungen deutlich. Gemeinsam mit dem britischen Star-Saxophonisten Andy Sheppard, der heute überwiegend in Portugal lebt, entfaltete das Quartett im Rondo der Landesmusikschule Bad Goisern eine Form von melodischem Jazz, die durch Geschlossenheit und klangliche Eleganz überzeugte.

Dass diese Begegnung so selbstverständlich wirkt, ist kein Zufall. Bereits 2016 traf das Trio erstmals in London auf Andy Sheppard – aus zunächst zwei Konzerten entwickelte sich rasch eine musikalische Partnerschaft, die inzwischen mehrere gemeinsame Veröffentlichungen hervorgebracht hat und international große Resonanz findet.
Dialog in feinsten Klangfarben
Im Zentrum des Abends stand ein musikalischer Dialog von bemerkenswerter Feinzeichnung: Das lyrisch schwebende, stark melodieorientierte Klavierspiel von Espen Eriksen traf auf den warmen, nuancenreichen Saxophonton von Andy Sheppard. Beide Musiker entwickelten ihre Linien mit großer Ruhe und Übersicht, reagierten aufmerksam aufeinander und ließen die Musik in langen, atmenden Bögen entstehen.

Eine tragende Rolle spielte dabei auch die Rhythmusgruppe. Schlagzeuger Andreas Bye, im besten Sinne ein Vertreter der alten Schule, arbeitete häufig mit sogenannten Mallets – Schlägeln mit runden Filz- oder Wollköpfen – und schuf damit einen besonders weichen, farbenreichen Klangteppich. Der dezente Puls des Trios wurde vom Bassisten Lars Tormod Jenset getragen, der mit wachem Ohr und großer Zurückhaltung den musikalischen Austausch zwischen Eriksen und Sheppard umsichtig stützte.


Einen Großteil des Programms bildeten Stücke aus dem gemeinsamen Album „In The Mountains“, dessen atmosphärische Titel an diesem Abend erstaunlich gut zur landschaftlichen Umgebung des Salzkammerguts passten. Das Rondo der örtlichen Landesmusikschule war bis auf den letzten Platz gefüllt – ein Publikum, das den konzentrierten und zugleich ungemein melodischen Jazz mit spürbarer Aufmerksamkeit verfolgte.
Emilian Tantana darf daher gemeinsam mit seinem engagierten Verein der Jazzfreunde Bad Ischl auf einen rundum gelungenen Konzertabend zurückblicken. Chapeau.
Weiter geht es in der Reihe der Jazzfreunde Bad Ischl bereits am 9. April 2026 um 19.30 Uhr in der PKS Villa Rothstein mit der Formation „Aufmessers Schneide“ rund um Kontrabassist Gregor Aufmesser.
Weitere Informationen zum Programm finden sich auf der Website der Jazzfreunde:
www.jazzfreunde.at
