Georg Ringsgwandl
Ein bayerisches Multitalent
Georg Ringsgwandl treibt es nun schon seit etlichen Jahrzehnten um. Mit seinem neuen Album „Schawumm“ legt er ein gelungenes musikalisches Alterswerk vor.

Als was er nicht alles bezeichnet wurde: schriller Musikkabarettist, Punk-Qualtinger, Pop-Clown, Dr. Satire oder der Karl Valentin des Rock ’n’ Roll. Aber da ist noch viel mehr. Georg Ringsgwandl kann man eine vielseitige Begabung wirklich nicht absprechen. Es war einst im Wiener Vindobona, es muss Ende der 1980er gewesen sein. Georg Ringsgwandl betritt die Bühne in einem aberwitzigen Phantasiekostüm, obendrein grell geschminkt. Was er da alles zum Besten gegeben hat, ist leider nur mehr undeutlich erinnerlich. Aber ein Song geriet definitiv zum Höhepunkt des damaligen Auftritts. Es war „Nix Mitnehma“, wohl die einzige Nummer, die nicht musikalisch, sondern nur textlich aus der Feder Ringsgwandls stammte. Beim Original handelt es sich um „Gotta Serve Somebody“ von Bob Dylan, erschienen auf dem Album „Slow Train Coming“, dem Beginn seiner christlichen Phase. Ringsgwandl machte einen feinen und gemeinen Ringsgwandl-Text dazu. Neben Dylan ist er bis heute von Steve Winwood überzeugt, sie sind ja auch der gleiche Jahrgang.
„Staffabruck“
Ein zentrales Werk im Schaffen Georg Ringsgwandls ist und bleibt das 1993 veröffentlichte Album „Staffabruck“. Da, wo er seinen musikalischen Vorbildern, insbesondere Bob Dylan, am nächsten ist und wo auch seine Kindheit, Jugend und unmittelbare Heimat am greifbarsten sind. Aufgenommen nur mit Stimme und Akustikgitarre zählt es zu den besten und eindringlichsten Momenten bayerischen Singer-Songwritings. Staffabruck, das ist die Staufenbrücke. Sie führt von Bad Reichenhall, da, wo er aufgewachsen ist, über die Saalach hinüber nach Piding. Mit diesem Album hat er seiner Heimat ein Denkmal gesetzt.
Musiktheaterprojekte
Grell geschminkt und im Taucheranzug ist er nun schon lange nicht mehr unterwegs. Sein Oberarztdasein als Kardiologe in Garmisch-Partenkirchen hat er bereits 1993 storniert. Seitdem widmet er sich hauptberuflich verschiedenen künstlerischen Projekten.
Dazu zählen auch zahlreiche Musiktheaterprojekte, von denen „Die Tankstelle der Verdammten“ eines der bekanntesten und erfolgreichsten ist. Die laut Ringsgwandl „lausige Operette in neun Bildern“ wurde schon 2000 vom Kabarettisten und Autor Thomas Maurer ins Wienerische transportiert und erlebte ihre Wienpremiere damals in der Volksoper in der kongenialen Besetzung mit Tony Vegas. Zuletzt wurde das Stück in dieser Version und anderer Besetzung 2016 im Stadtsaal aufgeführt. Damals war noch Wilfried Scheutz dabei. Ein anderes erfolgreiches Stück ist das Bauernmusiktheater „Der varreckte Hof“, uraufgeführt in Telfs in Tirol. Ein Stück über den Untergang der bäuerlichen Welt, das mit den Elementen einer Bauernkomödie ironisch kokettiert. Ringsgwandl hat auch Bücher mit Geschichten veröffentlicht, und auch zu einem Roman ist es letztlich gekommen: „Die unvollständigen Aufzeichnungen der Tourschlampe Doris“ trägt freilich auch autobiographische Züge.
„Schawumm!“
Nun also als letzter Streich „Schawumm“. Es ist dieses bestimmte Geräusch, wenn der Paketzusteller die Schiebetür seines Lieferwagens betätigt. Thematisiert wird in „Götterbote“ das prekäre Arbeiten der Menschen, die jeden Tag das Zeug bringen, das dann wieder zurückgeschickt wird. „Dir soll der Blitz einfahrn, dass du aus den Latschen kippst, wenn du dem armen Typ kein gutes Trinkgeld gibst“, heißt es da, und weiter: „Die moderne Fron ist nicht nur Amazon, die ganze Welt regiert ein kleiner Gelddämon“. So ist es. Musikalisch geht es funky zu, auch bluesig und melancholisch. Denn auch Berührendes, sehr Persönliches ist zu hören. Zwei Lieder sind seiner verstorbenen Frau gewidmet. Zu erwähnen ist auch die Zusammenarbeit mit seiner Band, bestehend aus Daniel Stelter (Gitarren, Dobro, Mandoline), Christian Diener (E- und Kontrabass, Moog) und Tommy Baldu (Drums und Percussion). Mit ihnen hat er schon hunderte Konzerte gespielt, und viele der Ideen auf dem neuen Album wurden gemeinsam erarbeitet. Eingespielt wurde es auf einem lichten Dachboden oberhalb des Staffelsees. Es entbehrt nicht einer gewissen Frische, wie er auch selbst meint. 77 ist der Herr Doktor jetzt und mit Preisen überhäuft. Schon seine erste Platte nannte er „Das Letzte“. Da soll diese vielleicht doch noch nicht die Letzte gewesen sein.
Werner Leiss
CD/Vinyl TIPP
- Georg Ringsgwandl: „Schawumm“, Galileo MC
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- 22.03.: Salzburg, Szene
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