Wo gute Ideen weiterklingen

20 Jahre Schrammel.Klang – das muss einem Festival erst einmal gelingen. Die geniale Idee, den Herrensee mit seinen zahlreichen Spielorten in einen musikalischen Rundweg zu verwandeln, erwies sich als Glücksgriff. Es ist ein wenig wie beim Schreiben eines Hits: Man weiß nie, ob er funktioniert – und wenn doch, begleitet er Generationen.

So dürfte es Festivalgründer und Kurator Zeno Stanek vor zwanzig Jahren ergangen sein. Doch eine gute Idee allein reicht nicht. Es braucht Menschen, die sie mittragen. Die Litschauerinnen und Litschauer sprangen von Beginn an mit Begeisterung auf den Zug auf. Zusammen mit vielen Freiwilligen entstand ein Festival, bei dem einfach alle Zutaten stimmten. Und genau diese Zutaten machen den Reiz bis heute aus: das gemütliche Flanieren von Bühne zu Bühne, kleine und stimmungsvolle Spielorte mitten in der Natur, die unmittelbare Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern sowie eine entspannte Atmosphäre, die zum Verweilen und Entdecken einlädt.

Schrammelklang-Festival Gründer Zeno Stanek / Foto_Hoepfl

Fast zwangsläufig wurde das musikalische Spektrum im Laufe der Jahre erweitert. Schrammelmusik und Wienerlied bilden zwar bis heute das Herz des Festivals, doch auf Dauer wäre die Auswahl an Künstlern und Programmen naturgemäß begrenzt gewesen. So öffnete sich Schrammel.Klang behutsam für verwandte Stilrichtungen: World Music, modernes Songwriting, alpine Musik, Balkan-Klänge, jiddische Musik, Klezmer und vieles mehr bereichern heute das Programm. Diese Entwicklung hat das Festival nicht von seinen Wurzeln entfernt, sondern sie auf überzeugende Weise weitergedacht.

Flora Geiselbrecht & Jelena Popržan: Avantgardistische Klangwelten, Experimentierfreude und Sprachakrobatik   / Foto_Hoepfl

Ein Tag am Schrammel.Pfad

Bei mehr als 80 Konzerten lässt sich selbst an einem Festivaltag nur ein kleiner Teil des Programms erleben. Der Autor hat sich am Samstag bewusst einige der zahlreichen Formationen des Schrammel.Pfads herausgepickt, die beispielhaft für die musikalische Vielfalt des Festivals stehen. Die Divinerinnen zeigten eindrucksvoll, wie sich Wiener Tradition ins Heute übertragen lässt. Zwischen klassischen Wienerliedern, Walzern und alpinen Einsprengseln entstand ein harmonisches, ausgewogenes Programm – ein stiller Höhepunkt des Nachmittags. Jelena Popržan & Flora Geiselbrecht standen beispielhaft für die programmatische Öffnung des Festivals. Avantgardistische Klangwelten, Experimentierfreude und Sprachakrobatik verschmolzen mit traditionellen Elementen zu einem spannenden Ganzen – ein faszinierender musikalischer Spagat. Martin Spengler im Trio präsentierte sich zwar gewohnt ruhig, wirkte aber stellenweise etwas unsicher und musste einzelne Lieder neu beginnen – ein eher durchwachsener Auftritt des derzeit viel beachteten Songwriters.

Trio Lepschi erwies sich einmal mehr als Balsam für Freunde des Wienerlieds. Humorvoll, geistreich und traditionsbewusst bewiesen die drei Musiker, dass sie auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Klasse verloren haben.

Auf das Trio Lepschi ist musikalisch stets Verlass. Seit 30 Jahren eine Konstante der heimischen Musikszene: Das Trio steht für Qualität, Witz und musikalische Eigenständigkeit. / Foto_Hoepfl

Fräulein Blauboad setzte schließlich den stimmungsvollen Schlusspunkt eines gelungenen Festivaltages. Eva Mayer, Herbert Berger und Christian Frank überzeugten mit musikalischer Klasse, Spielfreude und feinem Gespür für abwechslungsreiche Klangfarben. / Foto_Hoepfl

Autor/Fotos: Herbert Höpfl

Nach dem Jubiläum ist vor dem nächsten Schrammel.Klang.
Die 21. Ausgabe findet von 9. bis 11. Juli sowie von 16. bis 18. Juli 2027 statt.
Bis das Programm feststeht, schadet ein gelegentlicher Blick auf www.schrammelklang.at nicht.