Julia Malischnig

Spanische Musik als künstlerischer Bezugspunkt 

© Julia Malischnig
Julia Malischnig

Ihr neues Album nennt die in Villach geborene Komponistin, Gitarristin, Sängerin und Festival-Initiatorin „Amistad“, also Freundschaft. Dieser Begriff wird mit 14 Liedern großzügig und kunstvoll definiert. Malischnig fand wahre Preziosen renommierter Musiker u. a. aus Mexiko, Lateinamerika oder Spanien; viele sind längst nicht mehr hier, doch deren Musik lebt weiter.

Amistad“ ist der vierte Tonträger Malischnigs, der – wie auch die früheren Alben – geprägt ist von tiefer Emotionalität, Virtuosität und erstaunlicher Vielfalt. Jeder Tonträger hat eine markante Eigenart. So waren auf „Joy“ (2005) „nur“ instrumentale Titel zu hören, auf „Kiss Of Life“ (2015) lädt Julia zu einer Weltreise ein und präsentiert Lieder vieler Regionen, „Canti Carinthiae“ (2020) ist eine exquisite Hommage an das „Kärntnerlied“; nichts ist artifiziell, manieriert oder altbacken. Malischnig interpretiert Traditionelles erfrischend neu, komponiert Eigenes und würzt manche Lieder mit Einflüssen fremder Provenienz. 

Kuratorin, Musikerin, Netzwerkerin 

Nicht nur als Musikerin und Sängerin hat Julia Malischnig höchste Relevanz. Als Organisatorin der bekannten Festivals „La Guitarra esencial … the art of guitar“, die im Sommer erst in Millstatt und danach im Tiroler Erl mit sensationellem Programm stattfinden, erntet sie Lob und Beifall. Auf der aktuellen CD „Amistad“ hört man Musiker:innen mit hervorragender Finesse und essenzieller Subtilität von internationaler Bedeutung. So spielt etwa der mexikanische Gitarrist Cecilio Perera, auch Lehrbeauftragter am Mozarteum, immens brillant. Ganz wesentlich für die Musik der CD ist der perfekte Akkordeonist Klaus Paier, der auch seine Duo-Partnerin Asja Valcic (Cello) ins Studio bat. Saxophonist Wolfgang Puschnig besitzt Weltruhm und findet in jedem Genre seine musikalische Sprache. Bei der Finalnummer „Alfonsina y el mar“, einer Komposition des Argentiniers Ariel Ramírez, wirkt auch der Chinese Guo Gan mit seiner Erhu (zweisaitige Laute) mit. Schon die Eröffnungsnummer „Agua, Fuego, Tierra, Viento“, geschrieben von dem Argentinier Paz Martínez, ist fantastisch und verherrlicht die Natur. Bei „Danza Española No. 2 Oriental“ spielen Julia und der grandiose Cecilio im Duett eine Nummer von Enrique Granados (1867–1916), der zur katalanischen Pianistenschule gezählt wird. Ein Mega-Hit war und ist „Sabor a Mi“ des Mexikaners Álvaro Carrillo, der vor allem Boleros schuf. 

Julia Malischnig, © Lukas Bezila
Julia Malischnig, © Lukas Bezila

Astor Piazzolla im Repertoire 

Zwei wunderbare Tracks erinnern an den legendären Astor Piazzolla aus dem argentinischen Mar del Plata: „Lo que vendrá“ und „Los Pájaros perdidos“. Keiner der 14 Songs fällt ab, doch sollte auch auf „La Vida Breve“ des Andalusiers Manuel de Falla (1876–1946) hingewiesen werden. Eine genial kreative Interpretation ist Ralph Towners „Green and Golden“, das Malischnig mit kärntnerischen Dialekt-Lyrics verwoben arrangiert. Jeder Song der CD ist speziell und exzellent.

Ernst Weiss 

CD-TIPP 

WEB-TIPP 

www.juliamalischnig.com 

LIVE-TIPPS 

  • 07.03.: Bad Kleinkirchheim, Ronacher 
  • 26.06.: Rangersdorf, Wirtstadl (MÖLLTON) 
  • 06.08.: Millstatt, Kongresshaus (Festival La Guitarra esencial) 
  • 14.08.: Erl (Tirol), Festspielhaus (Festival La Guitarra esencial)