Robert Schönherr 

Ein halbes Jahrhundert am Piano 

Robert Schönherr, © Schober
Robert Schönherr, © Schober

Nicht nur für den Jazzpianisten Robert Schönherr ist 2026 ein besonderes Jahr, da er unglaubliche 50 Jahre als Musiker auf der Bühne steht, auch für die Jazzszene Wiens und weit hinaus in die Bundesländer ist er ein kompetenter Garant für Jazz auf höchstem Niveau.

Nicht nur das Jubiläumsjahr ist ein guter Grund, dass das CONCERTO mit Schönherr ein längeres Telefonat führte, um Details seines langen Jazzlebens zu erfahren. Der Wiener Pianist, Keyboarder, Komponist und Arrangeur startete seine „Karriere“ 1971, also mit 13 Jahren, mit einer Band namens The Dealers. „Wir waren eine Schulband, die gängige Schlager und Pop-Hits coverte. Meine professionelle Laufbahn beginnt Ende der 70er Jahre als ich mit den Latin-Jazzern von Ostinato zu spielen begann und mit Peter Legat, einem Gitarristen, eine eigene Band, Incognito, gründete. Peter Legat machte ja später mit Count Basic‘s Acid-Soul-Jazz eine tolle internationale Karriere. Dass im UK eine Soft-Funk-Partie mit gleichem Namen existierte, ließ immer wieder Missverständnisse auftauchen. Die englischen Incognito wurden allerdings nachweislich nach unserer Gründung aus der Taufe gehoben. Fusion-Jazz im Sound von z.B. Miles Davis, Chick Corea oder Joe Zawinul stand bei Incognito am Programm. 

Maracuja am Naschmarkt 

Mit 2 Vinyl-Alben, „Maracuja Uja“ (1983) und „Naschmarkt“ (1985), demonstrierte Schönherr, dass er dieses damals frische Jazzgenre drauf hat. Immer wieder traf Robert Joe Zawinul und plauderte locker mit ihm. Mit „Seavas, Dokta“ begrüßte Joe stets Schönherr, der schon erfolgreich Medizin studiert hatte. Bei 2 Konzerten stand Robert mit Zawinul auf der Bühne in dessen Ensemble. Es bestand also eine durchaus freundschaftliche Beziehung zu dem Superstar aus Erdberg. Robert legte Wert auf eine profunde Ausbildung und studierte am Jazzkonservatorium-Wien vorerst bei Roland Batik, später bei Fritz Pauer (2012 verstorben). „Bei Fritz Pauer, einem umfassenden Pädagogen, zu lernen, war für mich optimal. Er war nicht nur als Musiker und Mensch grandios, der Unterricht spielte sich auch auf einer philosophischen Ebene ab. Fritz war ein charismatischer Schamane, der einige Male in Peru zu Erkundigungen geweilt hatte. Alle seine Gedanken und Überlegungen waren genuin. Er implizierte seine Ausstrahlung in uns Studenten, ignorierte rigide Methoden, impfte uns Selbstvertrauen ein. Das Telos war, dass wir unseren eigenen Weg als Musiker einhalten sollten. Defizienzen glättete Pauer aus und entfachte eine Kongruenz unserer Talente. „ Parallel zu der musikalischen Ausbildung erledigte Robert, wie schon erwähnt, ein Medizinstudium und promovierte 1983 erfolgreich. Mit der Stieftochter von Pauer, der Sängerin Cornelia Giese, die uns 2000 mit nur 41 Jahren verließ, nahm Schönherr 1997 das Album „Rainsong“ (Besetzung: Strasser (kb), Gonzi (dr) und Pauer (p)) auf. In Wien-Penzing (14. Bezirk) erinnert der Cornelia-Giese-Platz an die wunderbare Sängerin, deren Lebenspartner der ebenso wunderbare Kontrabassist Hans Strasser war, der ja ungebrochen aktiv ist. 

Schönherrs Band: Die creme de la creme der Wiener Szene 

Schönherrs aktuelles Quintett ist natürlich mit hochkarätigen Musikern besetzt, die perfekten Groove und Swing im Feeling haben; Joschi Schneeberger (kb), Mario Gonzi (dr), Herwig Gradischnig (ts) und Christian Havel (git). Begonnen hatte alles im Trio, bis 2 Gäste (Gradischnig, Havel) fix von der Band einverleibt wurden. 

„Mein Mitwirken in Gruppen von renommierten Kolleg:innen sind zahlreich. In der Karin Bachner Pocket Big Band (Oktett) und im Sándor Rigó Quartett bin ich quasi fix engagiert. Mit beiden Gruppen gibt es große Erfolge, auch im Ausland. Des weiteren spielte ich u.a. in der Robert Bachner Big Band, dem Andi Weiss Quintett, im Martin Fuss 4, in Hans Salomons Vienna Big Band Machine, mit Sigi Maron (LP „Unterm Regenbogen“), da mein Synthesizer gebraucht wurde, bei Christine Jones, Karl Ratzer u.v.m..“ Nicht zu vergessen ist Roberts Liebe zu Brasiliens Musik und seine Kooperation mit Isabel Padovani oder Celia Mara. Seine Begeisterung für den kubanischen Salsa wurde u.a. schon von Fritz Pauer erweckt. Man merkt‘s, die Spuren Robert Schönherrs im österreichischen Jazz sind unüberhörbar tief. Das Jahr 2026 steht ganz im Zeichen seines 50-Jahre-Jubiläums. 

Ernst Weiss 

CD-TIPP 

  • Robert Schönherr Trio „The Blue Side Of Flipper“ (mit Joschi Schneeberger, Mario Gonzi, special guest: Herwig Gradischnig), Jive Music, Vertrieb: Preiser (2008), www.jivemusic.at 

WEB-TIPP 

www.robertschoenherr.com

LIVE-TIPPS 

  •  05.02.: Wien, Hotel Imperial (mit Joschi Schneeberger Quintett) 
  • 14.03.: Poysdorf, Kulturhaus 
  • 20.03.: Hohenems, Löwensaal (mit Laura Bilgeri) 
  • 15.04.: Wien, Porgy & Bess (mit Jazzmed 4 Life) 
  • 18.04.: Drosendorf, Jazzclub (im Quartett) 
  • 27.04.: Wien, Jazzland