George Colligan

Zwischen New York, Portland und zwei Abenden in Österreich 

Mit über 130 Aufnahmen als Sideman, einem DownBeat Critics Poll Sieg und Stationen von New York bis Portland gehört George Colligan zu den konstant unterschätzten Figuren des modernen Jazz – ein Musiker, der sich nie auf eine Rolle festlegen ließ. Pianist, Schlagzeuger, Komponist und Lehrer zugleich, kommt er im April gleich zweimal nach Österreich (Wien und Klagenfurt) – und hat mit „Live At The Jazz Standard“ ein neues Album im Gepäck, das gleichzeitig weit in seine Vergangenheit zurückreicht. 

Biografie und künstlerische Verortung 

Colligans Laufbahn ist eng mit einigen der prägendsten Stimmen des Jazz verbunden. Über Jahre arbeitete er mit Jack DeJohnette zusammen, spielte mit John Scofield, Cassandra Wilson oder Ravi Coltrane und entwickelte sich dabei zu einem Musiker, der sowohl im Trio-Kontext als auch in großen Besetzungen überzeugt. Mit mehr als 130 Einspielungen als Sideman und über drei Dutzend Alben als Bandleader hat er sich eine bemerkenswerte Diskografie aufgebaut, die stilistisch weit über das klassische Piano-Trio hinausgeht. Seine Auszeichnung beim DownBeat Critics Poll 2015 als bester Keyboarder unterstreicht dabei seine Stellung in der Szene ebenso wie seine regelmäßige Tätigkeit als Bandleader, etwa mit eigenen Trios oder Projekten im Umfeld der New Yorker Szene. Seine besondere Stärke liegt im Zusammenspiel: Colligan denkt nicht in Hierarchien, sondern in Beziehungen – zwischen Rhythmus und Harmonie, Struktur und Offenheit. Dass er parallel eine akademische Laufbahn verfolgt und heute als Professor in Portland arbeitet, passt ins Bild: Reflexion und Praxis greifen bei ihm ineinander, ergänzt durch seine Tätigkeit als vielgelesener Jazz-Blogger, der auch die theoretische Auseinandersetzung mit der Musik nicht scheut. 

Vom Live-Mitschnitt zum aktuellen Album 

Das bei Whirlwind Recordings erschienene Album „Live At The Jazz Standard“ ist dabei ein Sonderfall. Die Aufnahme entstand bereits 2014 im legendären New Yorker Club Jazz Standard, wurde aber erst jetzt veröffentlicht – kein klassisches Re-Release, sondern ein lange unveröffentlichtes Dokument, das nun erstmals zugänglich ist. 

Das Trio mit Linda May Han Oh und Jack DeJohnette entwickelt aus einfachen Motiven eine enorme Spannung. Stücke wie „Waiting For Solitude“ oder „Song For The Tarahumara“ leben von dieser Dynamik: Reduktion wird hier nicht zum Stillstand, sondern zum Ausgangspunkt für Bewegung. Immer wieder öffnen sich Räume, in denen sich das Zusammenspiel verdichtet, ohne je ins Routinemäßige zu kippen. Besonders reizvoll sind die Wechsel der Klangfarben – etwa wenn Colligan zur Melodica greift und das Trio plötzlich eine fast kammermusikalische Richtung einschlägt. 

Man hört diesem Mitschnitt an, dass hier drei Musiker auf Augenhöhe agieren, die einander vertrauen. Gerade die langjährige Verbindung zwischen Colligan und DeJohnette trägt das Ganze, während Linda May Han Oh dem Trio eine zusätzliche, sehr eigenständige Energie verleiht. So entsteht kein nostalgischer Rückblick, sondern ein erstaunlich frisches Album – eines, das zeigt, wie zeitlos gute Interaktion klingen kann. 

Parallel zur Veröffentlichung ist George Colligan mit seinem Trio auf Europatour unterwegs, mit Stationen in der Schweiz, Deutschland und Italien – und gleich zwei Auftritten in Österreich. Am 13.04. gastiert er im Wiener ZWE, dem intimen Club im 2. Bezirk, der sich in den letzten Jahren als fixe Adresse für zeitgenössischen Jazz etabliert hat und regelmäßig internationale Musiker präsentiert. Info: www.zwe.cc 

Am 21. und 22.04. folgt das Klagenfurt Piano Festival, das den Austausch zwischen internationalen Jazzmusikerinnen und -musikern mit universitärer Lehre verbindet. Spielort ist die Villa For Forest, ein historisches Kulturzentrum mit idealem Rahmen für improvisierte Musik und direktem Bezug zur GMPU. Info: www.gmpu.ac.at 

Tour mit zwei Stopps in Österreich 

Parallel zur Veröffentlichung ist George Colligan mit seinem Trio auf Europatour unterwegs, mit Stationen in der Schweiz, Deutschland und Italien – und gleich zwei Auftritten in Österreich. Am 13.04. gastiert er im Wiener ZWE, dem intimen Club im 2. Bezirk, der sich in den letzten Jahren als fixe Adresse für zeitgenössischen Jazz etabliert hat und regelmäßig internationale Musiker präsentiert. Info: www.zwe.cc 

Am 21. und 22.04. folgt das Klagenfurt Piano Festival, das den Austausch zwischen internationalen Jazzmusikerinnen und -musikern mit universitärer Lehre verbindet. Spielort ist die Villa For Forest, ein historisches Kulturzentrum mit idealem Rahmen für improvisierte Musik und direktem Bezug zur GMPU. Info: www.gmpu.ac.at 

AKTUELLES ALBUM (CD & VINYL) 


George Colligan Trio
„Live At The Jazz Standard“,
(CD & Vinyl)
Whirlwind Recordings 

WEB-TIPPS

www.georgecolligan.com 
www.whirlwindrecordings.com 

LIVE-TIPPS 

13.04.: Wien, ZWE; www.zwe.cc

14.04.: Basel, Bird’s Eye 

15.04.: Basel, Bird’s Eye 

17.04.: Ferrara, Jazz Club Ferrara 

18.04.: Bologna, Jazz Club Bologna 

20.04.: Berlin, Zig Zag Jazz Club 

21.–22.04.: Klagenfurt, Klagenfurt Piano Festival