Demokratisch, frei und drei

Nach vier Produktionen auf boomslang records sind die Herren Hauptmann, Berger und Kintopf mit ihrem Projekt „Percussion“ nun bei UNIT Records zu finden.

Felix Hauptmann, Roger Kintopf und Leif Berger_Copyright Ines Pizarro-Correia

Das aktuelle Album von Felix Hauptmann (p), Roger Kintopf (b) und Leif Berger (dr) nennt sich „Percussion III“. Hauptmann betreibt wie gewohnt kein Klaviertrio im konventionellen Sinne, vielmehr agieren alle drei Musiker wie ein geschlossener Organismus; vor allem spielen sie miteinander, verwoben in ihre Klangexkursionen. Die drei Herren betreiben ihr Trio ja nicht erst seit vorgestern, sondern bereits seit 2020. Die Stücke werden in der Regel gemeinsam entwickelt. Auffälligerweise stammen alle acht Grundideen bzw. Kompositionen diesmal von Berger und Kintopf. Die Übergänge zwischen Komposition und freier Improvisation sind fließend – übrigens das erklärte Ziel von Hauptmann.

„Percussion“ ist eigentlich ein Produkt der Corona-Pandemie. Alle drei Musiker sind in Köln ansässig, mittlerweile fast beheimatet im Stadtgarten Köln, und konnten unter pandemischen Bedingungen das ursprünglich Hauptmann’sche Konzept einer Polyrhythmik ohne stereotypische Jazzmuster über Monate hinweg entwickeln. Am Anfang stammte das Material durchwegs von Hauptmann selbst. Dass dieser nunmehr nicht mehr als Mastermind auftritt, schlägt sich auch im engen Zusammenspiel der drei nieder, was die Bewältigung des komplexen Musikarsenals unglaublich leicht erscheinen lässt. Das zweite Stück, „Kindness And Village“, ist ein gutes Beispiel für das kommunikative Zusammenspiel. In „If Only Trees“ weiß man eigentlich nicht, wer wen antreibt, Berger Hauptmann oder Hauptmann Berger, was genau die Qualität dieses Ensembles ausmacht. Kintopf fungiert dabei eher als der erdende Ruhepol. Dabei erscheint die Virtuosität der drei Musiker nie als Selbstzweck, wie beispielsweise in „Image Of Hawks“ augenscheinlich dokumentiert wird. Fast scheint sich Hauptmann in „Dark Soils“ in einem romantisch anmutenden Solo zu verlieren, was seine beiden Mitmusiker ironisch konterkarieren. Eigentlich ist es erstaunlich, dass das gesamte Album rein akustisch gespielt wird. Bekanntlich setzt sich Leif Berger gerne mit computergenerierter Musik auseinander, wie auf seinem letzten Album „S̶e̶c̶r̶e̶t̶, Normalization – Harp Version“, wo er sein eigenes Album „S̶e̶c̶r̶e̶t̶, Normalization“ vom Computer auf Harfe spielen lässt.

Bislang erschien rund um die Alben „Percussion“ und „Percussion II“ jeweils eine dazugehörige EP. Man darf gespannt sein, ob diese Tradition beibehalten wird. Das kreative Potenzial dazu ist zweifelsohne vorhanden.

Aktuelles Album:

Felix Hauptmann
ft. Roger Kintopf & Leif Berger „

Percussion III“,
Unit Records, Vertrieb: Membran

Live-Tipp:

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