Parzhuber Trio
Elektrisierte Fusion
Erst im letzten Jahr war der Drummer Alex Parzhuber mit seinem Quartett Thema einer Story im CONCERTO. Mit seinem Power-Album wurde ein Jazzer vorgestellt, der mittlerweile einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in München erfüllt.

Mit „PARZ“ dreht Alex ein Schräubchen strenger und lässt es mächtig funken. Das gelingt mit einem Bassisten, der Funk und Groove im Blut hat: Oliver Lutz, der u. a. schon in Peter Herbolzheimers „European Masterclass Big Band“ äußerst positiv auffiel und sein „Handwerk“ optimal beherrscht. Parzhuber macht mit „PARZ“ einen prägnanten Schwenk, da er starre und einengende Jazz-Konventionen über Bord wirft. Mit dem Altsaxophonisten Fabian Dudek besitzt die Band einen Musiker, der technisch perfekt ist und immer wieder geradezu ekstatisch mit krassen und unbändigen Soli begeistert. Die russische Pianistin Olga Reznichenko, die schon früher mit Dudek musizierte, verstärkt auf drei Tracks das Trio – und das echt großartig. Was ist noch neu bei der Parzhuber-Band? Man tobt sich an FX, also an Audioeffektgeräten, aus und schießt manche Nummern geradezu übermütig in den blauen Himmel. Das kommt sehr gut an, lässt den Sound anschwellen und heizt ihn cool an. Das Blubbern, Zischen und elektronische Geheule liebt ja auch einer der Urväter des Funk: George Clinton, 1941 geboren.
Eine heiße Soundmelange
„PARZ“ ist ein glühendes Konglomerat an Leidenschaft, Dynamik und jugendlichem Übermut. Psychedelische und sphärische Sequenzen kreieren Stimmungen, die man zum Durchatmen nützen kann. Bei der ersten Nummer, „Organic Pendulum“, beginnt man lässig swingend, bevor Fabian plötzlich ein überdrehtes Solo in rasendem Tempo startet. „Madness“ ist hundert Prozent Funk, die Instrumente wirbeln förmlich durch die Luft. „Dreamality“ und „The Punisher“ sind purer Jazzfunk, wobei beim zweiten Song ein wildes Inferno ausbricht und Alex ein Drumsolo mit unlimitiertem Elan einbaut. „The Word Of People Is Not Spoken By One“ hat den längsten Titel und bleibt im Midtempo. Bei „T.A.H“ zerbröseln die Töne; man wartet; dann rockt das Trio cool weg. Drums und Bass funken, dass einem fast der Atem stockt. „Complex Simplicity“ beginnt sphärisch und bedächtig, bevor einen eine Synthie-Klangwalze überrollt. Das Ende des Albums, „Riff Song # 1“, wird von Olga dominiert, bevor FX-Signale den Song erodieren und Dudek noch einmal sein Talent am Saxophon hören lässt. Diese Band würde der Autor sehr gerne live erleben. Ernst Weiss
CD-TIPP:
Parzhuber Trio, „PARZ“,
Owl Way Records,
Vertrieb: Galileo
WEB-TIPP:

