Trau keinem unter 70

Zwei Wochenenden, jedes Jahr im Juli, geht es im Schlosspark der kleinsten Landeshauptstadt Österreichs hoch her. Über 10.000 Gäste fasst das Gelände, und bei Alice Cooper und Foreigner war selbst das zu wenig.

Alice Cooper, ein unermüdlicher Dauerbrenner seit 1972. Er fasziniert immer noch das Publikum. / Foto: Nick Wukovits

Das Lovely Days Festival war schon seit Monaten ausverkauft. „Trau keinem unter 70“ könnte das Motto des Festivals lauten, denn das Programm besteht ausschließlich aus Rock-Legenden der 1960er-, 70er- und mittlerweile auch der 80er-Jahre. Logisch, dass bei vielen Bands nur noch wenige oder gar keine Originalmitglieder mehr dabei sind. Der Hauch des Original-Spirits umweht das Festival trotzdem – und mehr als ein Hauch war es, als die Fusion-Pioniere Colosseum mit Clem Clempson, Mark Clarke und Chris Farlowe sowie den neuen Mitgliedern Nick Steed (Van Morrison, PP Arnold), Kim Nishikawara (Michael Bublé, Jack Bruce) und Malcolm Mortimore (Tina Turner, Tom Jones) den Schlosspark in die Zeit des legendären Albums Colosseum Live beamten.

Manfred Mann lieferte mit seiner Earth Band das Erwartbare – natürlich mit Robert Hart als Sänger und Mick Rogers an der Gitarre. Viele Hits, aber ohne Feuer.

Umso größer war zur Überraschung vieler der Auftritt von Foreigner: Kein einziges Originalmitglied stand auf der Bühne, dafür aber die beste Live-Version der Band seit ihrer Gründung 1977. Die eigentlich weichgespülte Band („I Want to Know What Love Is“) präsentierte eine perfekte Rockshow – vor allem dank ihres charismatischen Sängers Luis Maldonado, der zuvor Gitarrist der Band war und kürzlich den langjährigen Sänger Kelly Hansen ablöste. Der Headliner, der 78-jährige Alice Cooper, lieferte ebenfalls ab. Das war allerdings keine Überraschung.

Eine Woche später stand die übernächste Generation am Start.


Remember Forestglade

1995 ging in Wiesen das erste Forestglade Festival über die Bühne. Dessen Erfinder, der heutige Nova-Rock-Chef Ewald Tatar, hat im Vorjahr das Revival aus der Taufe gehoben – und so können sich Fans von Alternative-, Punk- und Indierock über eine Zeitreise in die 90er freuen. Naturgemäß stehen die meisten Interpreten hier noch voll im Saft: Headliner Tim McIlrath von Rise Against ist beispielsweise erst jugendliche 47 Jahre alt.

New Model Army / Foto_ Nick Wukotis

Die Band des Tages war jedoch Life Of Agony. Nachdem Sänger Keith Caputo sich nach einem zehnjährigen Intermezzo als Trans-Frau 2024 wieder zum Mann erklärte, ist offensichtlich auch die Energie in die Band zurückgekehrt.

Eindeutig super war auch der Auftritt der britischen „Rock & Roll Queen“ The Subways. Als Kontrapunkt sorgten New Model Army für gepflegte Post-Punk-Folk-Unterhaltung. Leider spielten sie „Vagabonds“ und „Green & Grey“ auch diesmal wieder nicht – „51st State“ aber schon.

Fotos & Text: Klaus Wukovits


Festival-Tipps für 2027:

Lovely Days, 3. Juli 2027
Schlosspark Esterházy, Eisenstadt

  • Lynyrd Skynyrd
  • The Australian Pink Floyd Show
  • 10cc
  • The Devon Allman Project
  • Ten Years After

Forestglade Festival, 9. Juli 2027
Schlosspark Esterházy, Eisenstadt