Unter dem Jahresthema „Sounding the Archive“ widmet sich das 23. KlezMORE Festival Vienna von 7. bis 15. November historischen Quellen und ihrer Weiterführung in der Gegenwart.

Lieder, Texte, Sammlungen und persönliche Erinnerungen werden dabei nicht als museale Zeugnisse verstanden, sondern als Ausgangspunkt für neue künstlerische Klangwelten. Zugleich erweitert das Festival auch 2026 seinen Radius über Wien hinaus und bespielt erneut die ehemaligen Synagogen in St. Pölten und Kobersdorf. Damit verbindet KlezMORE jüdische Geschichte und historische Orte unmittelbar mit zeitgenössischer musikalischer Praxis.
Von New York bis ins Baltikum
Zu den Höhepunkten zählt bereits das Eröffnungskonzert im Wiener Stadtsaal: The Klezmatics (7.11.) feiern ihr 40-jähriges Bestehen. Die New Yorker Formation gehört seit Jahrzehnten zu den international prägenden Ensembles jüdischer Musik. Einen anderen Zugang eröffnet die Reihe „Kol Ishe – Jüdische Frauenstimmen“ in der liberalen jüdischen Gemeinde Or Chadasch mit der New Yorker Kantorin Sarah Myerson (8.11.), die anschließend auch einen jiddischen Gesangsworkshop im Österreichischen Volksliedwerk leitet.
Esther Wratschko (10.11.) präsentiert im ORF RadioKulturhaus ihr Programm „Fli, mayn foygl“. In der ehemaligen Synagoge St. Pölten steht das Gedenken an die Novemberpogrome 1938 (11.11.) auf dem Programm. Am selben Abend verbinden Lea Kalisch & Der Šenster Gob (11.11.) im Theater Akzent jiddische Musik mit Humor, Chuzpe und zeitgenössischer Performance. Ein Doppelkonzert in der Sargfabrik bringt Pavel Shalman & Boki Radenković sowie Klezmer & Wir & Electric Rose (12.11.) zusammen. Begegnung und gelebte jüdische Kultur stehen beim Schabbat-Abend mit anschließender Jam Session im YUNG YiDiSH Wien (13.11.) im Mittelpunkt.
Beim Wiener Festivalfinale erschließt die Black Rooster Kapelye (14.11.) im Schutzhaus Zukunft selten aufgeführte baltisch-jüdische Musikquellen und überführt sie in eine zeitgenössische musikalische Sprache. Zum Abschluss führt die KlezMORE Landpartie (15.11.) in die ehemalige Synagoge Kobersdorf. Dort verarbeitet die in Großbritannien lebende Musikerin Anna Lowenstein in „Through the Walls“ persönliche Erinnerungen an ihr Aufwachsen in einer chassidischen Nachbarschaft Londons. Eine gemeinsame Busanreise aus Wien und eine Führung durch das jüdische Kobersdorf ergänzen das Konzert und beziehen auch den historischen Ort in das Festivalgeschehen ein.
FESTIVAL-TIPP
7.–15. November, Wien, Niederösterreich und Burgenland
PROGRAMM, KARTEN & NÄHERE INFORMATIONEN
