Der nomadische Weg des Marcos Coll 

Marcos Coll, Jahrgang 1976, wuchs in Santiago de Compostela auf. Beeinflusst von seinem Onkel und dem spanischen Bluesharp-Spieler Ñaco Goñi begann er früh, Mundharmonika zu spielen. Nachdem er Mitglied in verschiedenen Amateurformationen gewesen war, gründete er seine erste professionelle Band, die Bluerags hieß.

Marcos Coll Foto_Michael El Patron Mantay

1999 zog er nach Madrid, um der damals erfolgreichsten spanischen Bluesband Tonky Blues Band beizutreten. Mit dieser Formation hatte er früh die Möglichkeit, mit Blues- und Rocklegenden wie Mick Taylor und Buddy Miles zu spielen. Mit dem Gitarristen und Sänger Adrian Costa gründete er anschließend Los Reyes del Ko, die bald über Spanien hinaus erfolgreich wurden. 2004 zog es ihn nach Berlin, wo er durch Bluesmusiker wie Chris Rannenberg oder Micha Maass in die Bluesszene eingeführt wurde. Dabei hörte er nicht auf, mit Größen wie Buddy Guy, Chuck Berry, John Mayall, Johnny Winter, Solomon Burke, Robert Cray oder den Fabulous Thunderbirds zu musizieren. Neben der Diskografie mit Los Reyes del Ko, Los Mighty Calacas und weiteren Kollaborationen ist besonders sein Doppelalbum „Under The Wings“ hervorzuheben. Ein Mix aus altem, klassischem Blues mit modernem Funk, lateinamerikanischer Musik oder Hip-Hop. Das Album spiegelt seine 20-jährige Karriere wider und beinhaltet Aufnahmen mit Buddy Miles, Mick Taylor, Aron Burton und vielen mehr. 

Eine Spur durchs Leben 

Mit „Ronsel“ präsentiert er nun sein neues Album. Nach dem Vorgänger „Nómade“ setzt Coll seine musikalische Reise fort. Dabei ist seine Mundharmonika weit mehr als ein Bluesinstrument: Sie übernimmt die Rolle einer singenden Stimme, die einmal kraftvoll und rau, aber auch zart und melancholisch klingen kann. Als Gastmusiker dabei ist Charlie Musselwhite, der ja ebenfalls vorzüglich Mundharmonika spielt und das auf dem Song „If I Go To Santiago“ beweist. Seine raue Stimme gibt es dazu. Der Titel „Ronsel“ – galicisch für die Spur, die ein Schiff hinterlässt, wenn es durch das Wasser gleitet – steht sinnbildlich für Erinnerungen, Herkunft und den Weg, den jeder Mensch im Leben beschreitet. Er beschreibt den nomadischen Weg, den Marcos Coll in seiner musikalischen Laufbahn wie auch im echten Leben gegangen ist. Diese Idee zieht sich durch alle elf Kompositionen, die sich zwischen galicischer Folklore, spanischen Liedtraditionen, lateinamerikanischen Einflüssen und zeitgenössischem Songwriting bewegen. leiss 

AKTUELLE CD 
Marcos Coll: „Ronsel“, Galileo MC 

WEB-TIPP 
www.marcoscoll.com