Jazzfest Berlin 2026
Anthony Braxton, Tomeka Reid, Immanuel Wilkins und Christian Lillinger zählen zu den Höhepunkten des Jazzfest Berlin, das vom 29. Oktober bis 1. November unter dem Motto „Dream Baby Dream“ internationale Jazz- und Improvisationsmusik in die deutsche Hauptstadt bringt.
Mehr als 135 Musikerinnen und Musiker aus über 25 Ländern, 24 Acts, vier Uraufführungen sowie mehrere Europa- und Deutschlandpremieren: Das von Nadin Deventer geleitete Jazzfest Berlin setzt auch 2026 auf ein Programm, das unterschiedliche Generationen, musikalische Traditionen und aktuelle Strömungen zusammenführt. Gespielt wird im Haus der Berliner Festspiele, im A-Trane, im Quasimodo und in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Anthony Braxton kehrt nach Berlin zurück
Zu den prominentesten Gästen zählt Anthony Braxton, der 50 Jahre nach seinem ersten Auftritt bei den damaligen Berliner Jazztagen mit einem neuen Septett zurückkehrt. Der amerikanische Saxofonist, Komponist und musikalische Visionär gehört seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Avantgarde und hat mit seinen eigenständigen Kompositionssystemen die Grenzen des Jazz immer wieder erweitert.
Auch die amerikanische Szene ist stark vertreten. Die Cellistin Tomeka Reid kommt mit ihrem Quartett nach Berlin und steht für eine Musik, die kammermusikalische Feinheiten mit freier Improvisation und rhythmischer Energie verbindet. Immanuel Wilkins, einer der profiliertesten Saxofonisten der jüngeren US-Jazzgeneration, präsentiert sein Quartett. Dazu kommen das Chicago Underground Duo, Ches Smith’s Clone Row sowie Graewe / Jones / Drake.
Christian Lillinger und internationale Grenzgänger
Ein besonderer Programmpunkt ist die Uraufführung von Christian Lillingers „Open Form For Society II“. Der deutsche Schlagzeuger und Komponist zählt zu den eigenständigsten Köpfen der europäischen Improvisationsszene und verbindet komplexe rhythmische Strukturen mit experimentellen Klangkonzepten.
Weitere Akzente setzen der britische Pianist Alexander Hawkins, die Trompeterin Laura Jurd, der japanische Gitarrist Otomo Yoshihide und Ingebrigt Håker Flatens (Exit) Knarr. Auch die iranische Klarinettistin Shabnam Parvaresh ist mit ihrem Sheen Trio vertreten.
Für eine außergewöhnliche Klangfülle dürfte Matthias Muches BONECRUSHER sorgen: Nicht weniger als zehn Posaunen werden die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche bespielen.
Ein Stück europäische Jazzgeschichte
Zum Festivalfinale kehrt mit Alexander von Schlippenbach eine weitere Schlüsselfigur des europäischen Free Jazz nach Berlin zurück. 60 Jahre nach seinem Festivaldebüt präsentiert der Pianist mit dem legendären Globe Unity Orchestra die „Apokalyptische Nabelschau“. Das Ensemble zählt zu den bedeutendsten Großformationen der europäischen Improvisationsgeschichte.
Das Jazzfest Berlin bleibt damit ein Festival, das nicht auf musikalische Gefälligkeit setzt, sondern auf Neugier, künstlerische Eigenständigkeit und die Begegnung unterschiedlicher musikalischer Welten.
Festival-Tipp: Jazzfest Berlin, 29. Oktober bis 1. November 2026, verschiedene Spielstätten in Berlin.
