Niki Dolp

Offen für alles, fokussiert auf das Eigene

Seit vielen Jahren zählt Niki Dolp zu den vielseitigsten Schlagzeugern der österreichischen Jazzszene. Bekannt wurde er vor allem als rhythmische Kraft bei Shake Stew, daneben arbeitete er mit zahlreichen heimischen und internationalen Musikern. Nun tritt der 1985 in Innsbruck geborene Drummer, Komponist und Produzent erstmals unter eigenem Namen ins Rampenlicht. Dread, Delight and Yowzah heißt sein Debüt – ein Album, das Jazz, Funk, 70er-Fusion, Elektronik und orchestrale Klangfarben zusammenführt.

Niki Dolp Foto_ECKHART DERSCHMIDT

Die Initialzündung kam früh. Mit sieben Jahren begann Dolp Schlagzeug zu spielen. Sein Vater brachte ihm wenig später eine CD mit großen Jazzdrummern mit nach Hause. Gleich die erste Nummer von Art Blakey hinterließ Wirkung: „Ich habe das gehört und für mich war klar: Mein Herz ist verloren an diese Musik.“ Mit zehn besuchte Dolp bereits Jazzkonzerte, sein erstes war 1995 ein Auftritt von Billy Cobham.

Dolp studierte Jazzschlagzeug in Linz und Leipzig, dazu kamen Meisterkurse und Privatunterricht. Besonders prägend waren Alphonse Mouzon und Billy Cobham. Zu Mouzon entwickelte sich nach ersten E-Mail-Kontakten eine jahrelange Mentor-Beziehung, die Dolp schließlich auch für einige Wochen zum Unterricht nach Los Angeles führte. „Er war ein sehr prägender Charakter für mich, weil er so wahnsinnig supportive war.“

Auch Cobham wurde vom Idol zum Mentor. Dolp arbeitete als Drumroadie für ihn und erinnert sich an einen Soundcheck in Wiesen, bei dem Cobham ihm kurzerhand sein Schlagzeug überließ: „Spiel du den Soundcheck, passt schon, ich vertraue dir.“ Jahre später spielte Dolp mit Shake Stew in Wiesen, nach ihnen stand Cobham auf dem Programm – und sein einstiges Idol sah sich den Auftritt an – und filmte sogar Teile des Konzerts.

Neben Shake Stew und seiner eigenen Formation Memplex spielte Dolp auch in der legendären Reform Art Unit, die österreichische Free-Jazz-Geschichte schrieb, sowie mit Musikern wie Shabaka Hutchings, Jamie Saft, Christian Muthspiel oder Wolfgang Mitterer. Diese Vielfalt hat ihn geprägt. Zugleich lernte er, dass Offenheit alleine noch keine künstlerische Handschrift ergibt. „Beim Kreieren muss ich irgendwann fokussieren.“ Musiker mit einer starken Vision würden vieles bewusst ausschließen. Diesen Fokus habe er nun auch für seine eigene Musik gefunden.

Kommt Zeit, kommt Album

Dass es trotz zahlreicher Einspielungen bis 2026 dauerte, ehe ein Album unter seinem eigenen Namen erscheint, hängt genau damit zusammen. „Ich musste erst an den Punkt kommen, an dem die ganze Offenheit und die vielen Sachen, die mir gefallen, zusammenführbar sind.“ Dazu gehören auch orchestrale Elemente und Streicherarrangements – eine Prägung durch seinen Vater, der vor allem klassische Musik hörte. Die Corona-Jahre brachten Zeit zum Komponieren, auch die eigene Familiengründung veränderte seinen Blick auf die Musik.

Der Titel „Dread, Delight and Yowzah“ steht für drei emotionale Pole: „Dread“ für die Furcht vor dem Kommenden, „Delight“ für die Freude am Augenblick und „Yowzah“ für das Staunen über das Unerwartete. Für Dolp entspricht diese Gleichzeitigkeit dem Leben selbst. Als Beispiel nennt er seine Begeisterung für Chic und Nile Rodgers: Musik, die unmittelbar kindliche Freude auslösen könne – während der nächste Blick auf die Nachrichten eine völlig andere Realität zeige. „Wir müssen damit leben, dass es diese Gleichzeitigkeit gibt.“

Musikalisch übersetzt er diesen Gedanken in einen weiten Kosmos aus Jazz, Funk, 70er-Fusion, elektronischen Sounds und cineastisch-orchestralen Passagen. Die Stücke waren weitgehend klar konzipiert und zum Teil vorproduziert. Aufgenommen wurde unter anderem in den Wiener Westbahnstudios.

Das Kernquartett bilden Richard Koch, Stephanie Weninger und Raphael Preuschl mit Dolp am Schlagzeug, insgesamt wirken rund 20 Musikerinnen und Musiker mit. Die Besetzung suchte er gezielt nach seinen Klangvorstellungen aus: „Ich habe beim Anhören der Vorproduktionen überlegt: Wen von meinen Musikerinnen und Kollegen höre ich da? Wer könnte das gut spielen und interpretieren?“

Vom Idol zum Mitmusiker

Besonders prominent ist Billy Cobham, der auf dem Album mitwirkt. Dolp schickte seinem langjährigen Mentor die Demos und fragte ihn, ob er sich eine Mitwirkung vorstellen könne. Cobham fand die Musik faszinierend und sagte zu. Für Dolp hatte diese Zusage besonderes Gewicht, denn er kannte auch die kritische Seite seines Mentors: „Er ist sehr streng. Sehr respektvoll, aber sehr streng.“ Bei früheren Aufnahmen hatte Cobham durchaus unverblümt seine Meinung geäußert. Umso mehr wusste Dolp dessen Begeisterung für die neuen Stücke zu schätzen: „Da geht es nicht um Höflichkeiten. Das ist alte Schule – no bullshit.“ So wurde aus dem Idol, das Dolp schon als Zehnjähriger bewundert hatte, schließlich ein Mitmusiker auf seinem ersten Album unter eigenem Namen.

„Dread, Delight and Yowzah“ soll dabei kein einmaliges Statement bleiben. Die Stücke für ein zweites Album sind bereits geschrieben. „Es ist ein bisschen wie wenn man ein Buch schreibt und denkt: Das war jetzt ein gutes Kapitel – aber ich weiß noch nicht, wie es weitergeht.“ Das erste Kapitel jedenfalls ist aufgeschlagen.

Album-Debüt:

Nikolaus Dolp „Dread, Delight and Yowzah“, Unit Records

Eine Albumpräsentation in Wien ist geplant, der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben.