Salzburg kann auch anders!

Jazz & The City 2026 – vier Tage voller musikalischer Entdeckungen

Foto: Herbert Höpfl

Wenn sich Salzburgs Altstadt für vier Tage in eine einzige große Konzertbühne verwandelt, haben nicht Mozart und die Festspieltradition das Sagen, sondern Jazz, World Music, experimentelle Klänge und jede Menge musikalische Überraschungen. Bei Jazz & The City, das vom 15. bis 18. Oktober unter dem Motto „True Moments“ über die Bühne ging, waren rund 140 Musikerinnen und Musiker mit etwa 60 Acts an 20 Spielorten angekündigt – und das alles bei freiem Eintritt.

Vom Residenzplatz über die prachtvolle Kollegienkirche und die Säle der Alten Residenz bis hin zu kleinen Kellergewölben reichte das musikalische Angebot, das sich stilistisch kaum in eine Schublade stecken ließ. Mal wurde ausgelassen getanzt, mal konzentriert gelauscht, mitunter verlangte die Musik auch einiges an Offenheit. Nicht alles funktionierte gleichermaßen gut, doch gerade die Mischung aus international renommierten Künstlern, spannenden Entdeckungen und gelegentlichen Überraschungen machte den Reiz dieses Festivals aus.

Foto: Herbert Höpfl

Bei dieser Fülle an Konzerten fiel die Entscheidung, wohin man seine Schritte als Nächstes lenken sollte, freilich nicht immer leicht. Zumal sich manche Auftritte zeitlich überschnitten und selbst die kürzesten Wege durch Salzburgs prachtvolle Altstadt mit ihren engen Gassen und verwinkelten Plätzen ihre Minuten brauchten. Das Wetter spielte weitgehend mit und ließ zwischendurch auch Zeit, die Stadt abseits der Konzertbühnen zu erkunden oder dem legendären Augustiner Bräu einen Besuch abzustatten. Was folgt, ist daher eine persönliche Auswahl aus vier Tagen, die musikalisch kaum abwechslungsreicher hätten ausfallen können.

Rhythmus regiert den Residenzplatz

Wo einst die Salzburger Fürsterzbischöfe ihre Macht zur Schau stellten, bestimmten bei Jazz & The City ganz andere Kräfte das Geschehen. Der Residenzplatz, eingerahmt von den prachtvollen Fassaden der Alten und Neuen Residenz, dem Salzburger Dom und dem monumentalen Residenzbrunnen, bot eine eindrucksvolle Kulisse für die großen Open-Air-Konzerte des Festivals.

Mit dem Namen nehmen es Les Frères Smith nicht ganz so genau: Brüder sind sie keine, und Smith heißen sie im wirklichen Leben auch nicht alle. Dafür tragen sie den Namen auf der Bühne mit umso mehr Überzeugung. Und dass mit Sängerin Athena Smith und Saxophonistin Florence Smith auch zwei Frauen mitmischen, macht den familiären Etikettenschwindel erst richtig sympathisch. Was als augenzwinkernder Gag daherkommt, ist längst musikalisches Programm: Das Pariser Kollektiv kennt keinen Chef, die Songs entstehen gemeinsam. „Afrikanbeat“ nennen sie ihren mitreißenden Mix aus Afrobeat, Funk, Ethio-Jazz und einer ordentlichen Prise Hip-Hop.

Die Anreise aus Paris per Bahn geriet allerdings zum kleinen Abenteuer: Siebenmal musste die Band umsteigen, weil die Bahn offenbar andere Pläne hatte als Musiker und Veranstalter. Doch sie kamen an. Chapeau! Und die Mühen hatten sich gelohnt.

Am Residenzplatz trumpfte die Formation mit einer beinahe orchestralen Klangfülle auf: Gesang, Saxophon, Trompete, Posaune, Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug und Percussion sorgten für einen druckvollen, vielschichtigen Bandsound. Zum Ereignis wurde vor allem Sängerin Athena Smith, die abseits der Bühne eher ruhig und bescheiden wirkt, vor den rund 1.300 Besuchern aber förmlich explodierte. Mit ihrer kraftvollen Stimme suchte sie immer wieder den unmittelbaren Kontakt zum Publikum, während die gesamte Band mit einer Spielfreude par excellence auftrumpfte. Der Residenzplatz erwies sich als geradezu idealer Schauplatz für diese mitreißende Musik.

Auf der Bühne ein Energiebündel: Athena Smith von der Band Les Frères Smith. Foto: Herbert Höpfl

Nach Les Frères Smith gehörte der Residenzplatz Yemen Blues, die mit einer explosiven Mischung aus orientalischen Musiktraditionen, Blues, Funk, psychedelischem Rock und arabischen Klängen noch einmal ordentlich Druck machten. Sänger und Bandleader Ravid Kahalani gab dabei den großen Entertainer, in Gestik und Bühnenpräsenz mitunter an Freddie Mercury erinnernd. Für den Geschmack des Autors wirkte das stellenweise allerdings etwas zu aufgesetzt. Umso mehr überzeugte Shanir Blumenkranz, der mit seinem großartigen Oud-Spiel ganz ohne große Showgesten auskam und musikalische Authentizität ausstrahlte. Dazu legten Schlagzeuger Yuval Lion und Percussionist Rony Iwryn ein derart druckvolles rhythmisches Fundament, dass sich der Residenzplatz endgültig in einen einzigen großen Groove-Platz verwandelte.

Freddy Mercury lässt grüßen: Ravid Kahalani von Yemen Blues Foto: Herbert Höpfl

Mit ihrem Mix aus Afrobeat, Funk und psychedelischen Klängen sorgte das italienische Kollektiv Addict Ameba für ordentlich Bewegung am gut gefüllten Residenzplatz. Bei leichtem Nieselregen groovte die Band munter dahin, musikalisch plätscherte es allerdings gelegentlich ebenso ein wenig.

Die Kunst der Improvisation

Was auf dem Residenzplatz vor allem von Rhythmus, Energie und großen Besetzungen lebte, fand nur wenige Schritte entfernt eine ganz andere Fortsetzung. Im prunkvollen Carabinierisaal der Alten Residenz rückten musikalische Feinheiten, ungewöhnliche Begegnungen und die Kunst der Improvisation in den Mittelpunkt.

Hier begegneten sich mit Jordina Millà und Agustí Fernández zwei Generationen der spanischen Klavier-Avantgarde. Zwei Pianisten, ein Flügel und keinerlei musikalische Vorgaben – eine ungewöhnliche Konstellation, auf die man sich als Zuhörer erst einmal einlassen musste. Mal spielten die beiden gemeinsam, mal wechselten sie sich ab und erkundeten dabei die klanglichen Möglichkeiten des Instruments. Ihr gemeinsames Album „When Forests Dream“ (Sirulita Records, 2020) zeigt bereits, wie weit sich die Grenzen eines Flügels ausloten lassen.

Jordina Millà und Agustí Fernández Foto: Herbert Höpfl

Die Crème de la Crème der zeitgenössischen amerikanischen Jazz-Avantgarde versammelte Pianistin Myra Melford in ihrem ausschließlich weiblich besetzten Fire and Water Quintet: Mary Halvorson an der Gitarre, Ingrid Laubrock am Saxophon, Tomeka Reid am Cello und Lesley Mok am Schlagzeug. In jenem historischen Saal, wo bereits 1614 die erste Oper nördlich der Alpen aufgeführt wurde, wechselten vor rund 400 Besuchern komplexe Kompositionen mit freien Improvisationen, dazwischen groovte es auch recht ordentlich, wobei die Musikerinnen immer wieder solistische Akzente setzten.

Myra Melford
Tomeka Reid Fotos_Herbert Höpfl

Ein fantastisches Aruán Ortiz Trio wartete ebenfalls im DomQuartier auf. Der kubanische Pianist, der seit vielen Jahren in New York lebt, hatte mit Bassist Brad Jones und Schlagzeuger Gerald Cleaver zwei musikalische Schwergewichte an seiner Seite. Ihr Zusammenspiel war von geradezu verblüffender Feinfühligkeit geprägt. Jeder hörte dem anderen zu, griff dessen Ideen auf, entwickelte sie weiter oder setzte überraschende Gegenakzente. Musik, die sich ständig veränderte und dennoch wie aus einem Guss wirkte. Gegen Ende war es dann mit aller Zurückhaltung vorbei: Die drei bearbeiteten ihre Instrumente mit einer geradezu entfesselten Energie, wild, roh und kompromisslos, aber stets mit musikalischem Sinn und Verstand. Ein herrlich konstruktiver Ausbruch, der dieses außergewöhnliche Konzert krönte.

Das Aruán Ortiz Trio entspannt nach ihrem Auftritt im feudalen „Backstage-Bereich“ des Domquartiers. Foto: Herbert Höpfl

Eine musikalische Entdeckung ganz anderer Art bot das österreichisch-iranische Trio Terrea mit Sarvin Hazin an der Violine, Anna Maria Niemiec am Violoncello und Amir Ahmadi am Claviton. Während unser gewohntes Tonsystem zwölf Halbtöne pro Oktave kennt, verfügt dieses außergewöhnliche Tasteninstrument über 31 Tasten pro Oktave. Damit lassen sich auch jene feinen Tonabstufungen spielen, die in der iranischen und arabischen Musik eine wichtige Rolle spielen. Violine und Violoncello können diese feinen Tonabstufungen ebenfalls erzeugen. So entstand eine faszinierende Verbindung von orientalischer Melodik, zeitgenössischer Kammermusik und Jazz. Das Debütalbum „Raz“ (Unit Records, 2026) wurde bereits in CONCERTO 1/2026 auf Seite 39 vorgestellt.

Amir Ahmadi am Claviton. Foto: Höpfl

Nur wenige Gehminuten entfernt bot die prachtvolle Kollegienkirche einen ebenso eindrucksvollen wie außergewöhnlichen Rahmen für ganz unterschiedliche musikalische Begegnungen. Bereits vor dem Auftritt des radio.string.quartet hatte hier die Cellistin Sophie Abraham, selbst Mitglied des Ensembles, ein Solokonzert gegeben. Gemeinsam mit den beiden Geigern Bernie Mallinger und Igmar Jenner sowie Bratschistin Cynthia Liao präsentierte sie anschließend Musik aus dem aktuellen Album „aERO – four seasons Vol. 1“, das dem Element Luft gewidmet ist und sich in seiner formalen Konzeption an Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ orientiert. Auch Anklänge an Johann Sebastian Bach waren immer wieder herauszuhören. Aus anfangs meist feinen, kammermusikalischen Klanggebilden entwickelten sich immer wieder kraftvolle, vielschichtige Steigerungen von großer Intensität. Dabei überzeugten vor allem das präzise Zusammenspiel und die raffinierten Arrangements. Das radio.string.quartet zählt nach wie vor zu den interessantesten Streichquartetten Europas.

Bernie Mallinger
Sophie Abraham
Cynthia Liao
Ingmar Jenner Fotos: Herbert Höpfl

Mit reichlich Vorschusslorbeeren war die junge iranische Oud-Spielerin und Sängerin Avin Ahmadi in die Kollegienkirche gekommen. Die in Wien lebende Musikerin präsentierte Stücke ihrer Debüt-EP „Liminal“, einem sehr persönlichen Werk, in dem sie ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen musikalisch verarbeitet. Fast verloren wirkte sie mit ihrer Oud im weiten Kirchenraum, doch schon nach wenigen Tönen gehörte ihr die Aufmerksamkeit der beinahe voll besetzten Kollegienkirche. Selten war leise Musik so laut zu erleben – nicht in Dezibel, sondern in der Aufmerksamkeit eines Publikums, das ihr förmlich an den Lippen und Saiten hing.

Avin Ahmadi Foto: Höpfl

HALS hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der bemerkenswertesten A-cappella-Quartette Österreichs entwickelt. Da lag es nahe, die vier Sängerinnen Anna Anderluh, Amina Bouroyen, Anna László und Valerie Costa auch bei Jazz & The City zu präsentieren. Was der köstliche Name HALS genau bedeutet, sei dahingestellt, jedenfalls bewiesen die vier Damen in der Kollegienkirche jede Menge musikalischen Mut, Ausdruckskraft und eine bewundernswerte Konzentration. Die prachtvolle Barockkirche bot zwar eine eindrucksvolle Kulisse, erwies sich akustisch aber als problematisch. A-cappella-Musik lebt schließlich vom unmittelbaren, unverfälschten Zusammenklang der Stimmen. Durch die Verstärkung und den langen Nachhall war dieser jedoch nur in bestimmten Sitzreihen und Bereichen wirklich gut zu hören. In den Seitenschiffen überlagerten sich die Töne mitunter derart, dass von den Feinheiten des Gesangs kaum noch etwas übrig blieb. An der großartigen Leistung des Quartetts änderte das freilich nichts: Mit spürbarer Spielfreude, höchster Aufmerksamkeit füreinander und enormer Ausdruckskraft meisterten die vier Sängerinnen auch diese schwierigen Bedingungen. Vielleicht dürfen sie beim nächsten Mal ja vom Chorgestühl aus singen. Schließlich wusste Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach schon vor über 300 Jahren, wie man Stimmen auch ohne Lautsprecher in einer Kirche zur Geltung bringt.

HALS – Vier ausdrucksstarke Stimmen in der Salzburger Kollegienkirche. Foto: Höpfl

Von Gitarrenexperimenten bis zum Wüstenblues

Ein ganz anderes Ambiente bot die traditionsreiche Blaue Gans, deren Geschichte über 600 Jahre zurückreicht und die sich von der Getreidegasse bis zum Herbert-von-Karajan-Platz erstreckt. Ihr historisches Kellergewölbe zählt zu den besonders reizvollen, intimen Spielorten des Festivals.

Hier war mit Eric Arn ein Gitarrist zu erleben, der mit den üblichen Vorstellungen von Gitarrenmusik wenig am Hut hat. Filigrane Gitarrenfiguren, kantige Tonfolgen und spontane Klangexperimente verlangten zunächst einiges an Offenheit. War man aber erst einmal in diese eigenwillige Klangwelt hineingekippt, entwickelte die Musik trotz aller unorthodoxen Spielweisen einen erstaunlichen Fluss.

Im 600 Jahre alten Kellergewölbe der Blauen Gans überraschte Eric Arn mit ebenso eigenwilligen wie schrägen Gitarrenklängen. Foto: Höpfl

Von der intimen Atmosphäre des Kellergewölbes führte der musikalische Streifzug weiter in die SZENE Salzburg. Der traditionsreiche Veranstaltungsort bot mit seiner großen Bühne Platz für ganz unterschiedliche musikalische Handschriften – von Soul und Americana über nordafrikanische Rhythmen bis zu zeitgenössischen Jazzklängen.

LYLIT Foto_Höpfl

Den musikalischen Auftakt gestaltete LYLIT, eine österreichische Sängerin und Pianistin, die dem sogenannten Neo-Soul zugeordnet wird und sich längst auch in der Popwelt ihre Sporen verdient hat. Ein vom Veranstalter wohl bewusst gewählter Einstieg, der ein breiteres Publikum ansprechen sollte. Für eingefleischte Jazz- und World-Music-Freunde mochte das Gebotene auf Dauer etwas zu gleichförmig erscheinen, wenngleich das ausgezeichnete Streichquartett und die Background-Sängerinnen, darunter die fabelhafte Anja Om, durchaus für musikalische Glanzlichter sorgten. Schade nur, dass deren Potenzial nicht stärker ausgeschöpft wurde.

So zurückhaltend, wie Noura Mint Seymali in ihrer traditionellen Kleidung auf der Bühne stand, begann sie auch ihr Konzert. Leise, konzentriert und doch bereits Neugier weckend entlockte die mauretanische Sängerin ihrer Ardin, einer traditionellen Harfe, die ersten Klänge. Doch je länger der Auftritt dauerte, desto mehr kam die Musikerin in Fahrt. Ihre Stimme wurde expressiver, lauter, bisweilen beinahe schreiend, während sie mit ausdrucksstarker Mimik und ausladenden Handbewegungen das Geschehen regelrecht anheizte. Was zunächst verhalten begonnen hatte, steigerte sich zu einem wahren musikalischen Feuerwerk. Bemerkenswert dabei die Begleitband: Der Gitarrist und die Rhythmusgruppe agierten cool und trocken, spielten keinen Ton zu viel, dafür roh, kantig und ungemein effektiv. Und plötzlich meinte man zu hören, wo die musikalischen Wurzeln eines John Lee Hooker liegen könnten, ja selbst jene der Beatmusik der 1960er-Jahre. Eine erste große musikalische Überraschung dieses Festivals – umso bemerkenswerter, als die Formation erst zum zweiten Mal überhaupt in Österreich gastierte.

Noura Mint Seymali Foto: Höpfl

Mit Nat Osborn (Gesang, Akustikgitarre) und Mike Parker (Kontrabass) standen zwei Musiker auf der Bühne, die seit über 15 Jahren gemeinsam musizieren. Ihr solides Duo-Programm bewegte sich im Spannungsfeld von Americana, Blues und Folk, wobei neben eigenen Songs auch ausgewählte Coverversionen Platz fanden. Vielleicht war die große Halle der SZENE für diese eher intime musikalische Besetzung eine Nummer zu groß. An der musikalischen Qualität und dem eingespielten Zusammenspiel der beiden änderte das freilich nichts.

Nat Osborn + Mike Parker Duo

Zu den Höhepunkten im World-Music-Angebot des Festivals zählten zweifellos Bab L’ Bluz. Das französisch-marokkanische Quartett machte seinem Namen alle Ehre, der so viel wie „Tor zum Blues“ bedeutet. Traditionelle Gnawa-Rhythmen aus Marokko trafen auf bluesige Gitarrenklänge, psychedelischen Rock und eine gehörige Portion rhythmischer Energie. Im Mittelpunkt stand die charismatische Sängerin Yousra Mansour, die nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch an ihren elektrifizierten Saiteninstrumenten überzeugte. Brice Bottin steuerte an der Gitarre und am elektrifizierten Guembri, der traditionellen dreisaitigen Basslaute der Gnawa-Musik, markante Akzente bei. Gemeinsam ließen sie die Grenzen zwischen nordafrikanischer Tradition und westlichem Rock verschwimmen. Die Spielfreude der vier war dabei ebenso ansteckend wie selbstverständlich.

Yousra Mansour, charismatische Sängerin und Multiinstrumentalistin des französisch-marokkanischen Quartetts Bab L’ Bluz, begeisterte mit kraftvoller Stimme und elektrifizierten Saiteninstrumenten. Foto: Höpfl

Einen weiteren starken Akzent setzte der französisch-marokkanische Trompeter daoud mit seinem Quartett. Auf der weitgehend dunklen Bühne setzten weiße Lichtakzente markante Schatten und schufen eine besondere visuelle Atmosphäre, die sich auch in der Musik widerspiegelte. Dichte, spannungsgeladene Passagen wechselten mit prägnanten Trompeteneinsätzen, bevor treibende Hip-Hop-Rhythmen und satte Grooves das Geschehen bestimmten. daoud erwies sich als Türöffner für all jene, die bisher wenig mit Jazz anfangen konnten – und weckte die Neugier, auch dessen vielfältige andere Facetten zu entdecken.

daoud ließ mit seinem Quartett Jazz auf Hip-Hop-Grooves treffen – ein explosives Klangfeuerwerk im Spiel von Licht und Schatten. Foto: Höpfl

Dass sich Salzburgs historische Altstadt für vier Tage in eine derart vielfältige Konzertlandschaft verwandeln konnte, ist nicht zuletzt dem Altstadtverband Salzburg zu verdanken. Er schafft die organisatorischen und infrastrukturellen Voraussetzungen und schlägt dabei eine bemerkenswerte Brücke zwischen Geschichte, Tourismus und lebendiger Gegenwartskultur.

Salzburg bei Nacht: Der stimmungsvoll beleuchtete Hof des DomQuartiers, wo im historischen Carabinierisaal zahlreiche Konzerte von Jazz & The City stattfanden. Ein besonderer Reiz des Festivals: abends durch die Gassen der Altstadt flanieren, von einem Konzert zum nächsten ziehen und dabei immer wieder neue musikalische Welten entdecken. Foto: Höpfl

Dass dieses Konzept auch musikalisch aufgeht, ist wiederum das Verdienst eines bestens eingespielten Programmteams. Markus Deisenberger hält als Programmleiter die Fäden zusammen, Katrin Pröll beweist bei der Auswahl internationaler World-Music-Formationen ein besonders gutes Gespür für spannende Entdeckungen, Jakob Flarer bringt seine Expertise und internationalen Kontakte in der Jazzszene ein, während Helge Hinteregger dafür sorgt, dass auch die vielfältige österreichische Jazzlandschaft entsprechend vertreten ist. Vier unterschiedliche Zugänge, die sich offenbar bestens ergänzen und dem Festival ein eigenständiges musikalisches Profil verleihen. Dass dabei nicht jeder Auftritt gleichermaßen überzeugen konnte, gehört zu einem derart offenen Konzept wohl dazu. Entscheidend ist vielmehr, dass hier musikalische Neugier geweckt wird und man immer wieder auf Künstlerinnen und Künstler stößt, die man zuvor vielleicht gar nicht auf dem Radar hatte. Genau darin liegt eine der großen Stärken von Jazz & The City.

Fotos und Bericht: Herbert Höpfl