Seit zehn Jahren dauert diese musikalische Familienaffäre bereits an: 2015 gründeten Martin Fuss und seine Söhne Dominik und Florian die Affaere Drey Fuss. Gemeinsam mit Max Tschida, Johannes Strasser und Mario Gonzi entwickelte sich das Sextett zu einer festen Größe der heimischen Jazzszene. Zum Jubiläum folgt nun mit „Going Places“ das zweite Album.

Ausgangspunkt der Band waren Hardbop und die Musik von Größen wie Horace Silver und Art Blakey. Inzwischen hat sich das musikalische Spektrum deutlich erweitert: Eigenkompositionen bestimmen das Repertoire, ohne dass Swing, Souljazz und die Lust am Groove dabei zu kurz kommen. „Going Places“ zieht nach zehn gemeinsamen Jahren eine durchaus selbstbewusste Bilanz.
Der Fall Dreyfuss – musikalisch
Keine Angst, es kommt kein lähmendes Traktat über einen Finanzskandal in Frankreich, sondern über eine Familie, die dem Jazz verfallen ist. Auf „Going Places“ hören wir ein superbes Sextett; drei der Musiker heißen mit Familiennamen Fuss: Vater Martin Fuss (as, ts, ss, bkl) und die Söhne Florian Fuss (as, ts, fl, kl) und Dominik Fuss (tp, btp, flh). Natürlich haben auch die drei „fremden“ Musiker den mächtigen Drive und coolen Groove im Blut: Max Tschida (p, keys), Johannes Strasser (kb) und Mario Gonzi (dr); alles prominente Namen der Jazzszene. Als Spezialgast wirkt noch Ismael Barrios aus Venezuela an den Congas mit („Travel Ear“, Latin, von Dominik F.).

Neun Tracks von zwölf sind Eigenkompositionen, drei Titel wurden brillant gecovert, darunter „Julian“, eine Hommage an Julian „Cannonball“ Adderley von Phil Woods, und Clark Terrys „Boomerang“. Das Album ist ein musikalischer Koffer, gefüllt mit Swing, Hardbop und Souljazz; eine wahre Freude und potenziell positive Stimmungsinjektion.
Strasser eröffnet am Kontrabass „Viennese Anthem“, bevor es mit Souljazz so richtig abgeht. Bluesig und melancholisch gestimmt sind „Mesode“ von Martin F. oder „Minion Minor“ (Dominik F.) mit Nachtklub-Atmosphäre. „Carthage“ über die antike Metropole (Dominik F.) lässt mediterrane Einflüsse hören. Besonders gelungen ist unter anderem die finale Nummer „Why Not Me“ (Martin F.), auf der der exzellente Max Tschida die Orgel spielt. ewei
CD-Tipp
Affaere Drey Fuss „Going Places“, ★★★★★, Jive Music
Web-Tipp:
www.jivemusic.at
